Anhalten, Stehen, Anreiten

Christine Sander - Feb 26, 2010: 4. Folge unserer Serie über Dressulektionen. Frau Christine Sander erforscht im Rahmen des a.i.s. study-horsemanship seit 2001 Grundlagen einer neuen, modernen Reiterei. Weitere Informationen über die Arbeit von Frau Sander finden Sie unterhalb des Textes.

Bei der Handarbeit und in der Vorhandwendung am Boden hat das Pferd die Zügelhilfen kennen gelernt. Es ist so von Anfang an nicht nur mit dem Zügel, der vom Hals weg oder zum Hals hin wirkt vertraut. Es kennt auch schon den kurz anziehenden, den vibrierenden und/oder den nach oben wirkenden Zügel. In der Vorhandwendung unter dem Reiter ist zunächst vorallem wichtig, dass die Vorderbeine des Pferdes am Platz auf und ab treten. Jede der drei Ausführungen des verhaltenden Zügels ist gut, solange sie durchkommt.

Beim Schritt ohne Einwirkungen auf das Gebiss läuft das Pferd am hängenden Zügel. Möchte der Reiter es in dieser Phase anhalten ist wahrscheinlich ein sanftes Anziehen beider Zügel am wirkungsvollsten. Alles ist paletti, wenn das Pferd prompt steht. Tut es das nicht verlangsamt der Reiter das Tempo und bringt zuerst das Schieben und Tragen ins Gleichgewicht.

Wenn das Pferd sich aufrichtet ist es per definitione in Haltung und im Gleichgewicht und trägt sich selbst. Es weicht der Hand des Reiters nicht aus, sondern sucht sie. Wenn die Abstimmung stimmt reicht ein Anhaltenwollen und das Pferd steht. Eine Leserin trägt dazu dieses energetische Konzept bei.

Bei Unstimmigkeiten kann der Reiter auf die kombinierte Wirkung von Beinen, Beckenstellung und Ringfingern zurückgreifen. Die aufrichtende Wirkung der Reiterbeine bringen das Pferd in Hab-Acht-Stellung. Das Einziehen der Bauchnabels verlagert den Schwerpunkt zurück. Das Heben der Schlüsselbeine hebt die Hand. Diese kombinierte Einwirkung bringen das Pferd ruhig und progressiv erst vermehrt in Aufrichtung und dann zum Stehen.

 

"Die Elemente der Reiter (2007)". Das Kreuzbein des Reiters und des Pferdes

Das Schliessen der Finger ist dabei das Machtmittel in des Reiters Hand. Aber Vorsicht, das Pferd weiss genau wenn es gezwungen wird. Will es nicht anhalten ist der Gund häufig, dass die Hanken nicht stark und/oder elastisch genug sind, um in Haltung zu stehen. Anderseit kräftigt gerade das Anhalten, Stehen und wieder Anreiten die Hanken und macht sie geschmeidig. Gefragt ist also des Reiters Feingefühl. Freundschaft kommt vor Leistung. Wieder lohnt sich langsames Vorgehen.

Steht das unwillige Pferd erst einmal lässt der Reiter vorsichtig mit den Hilfen ab. Er entspannt die Ringfinger und senkt die Hände, bringt den Bauchnabel zurück in die mittlere Position und entspannt die Beine. Und dann gilt es in Ruhe das gemeinsame Gleichgewicht zu halten. Das Pferd bleibt am Zügel und in Haltung und kaut. Zur Belohnung kann der Reiter die Zügel aus der Hand kauen lassen, wieder aufnehmen und dann wieder anreiten. Oder er reitet aus dem Halten in Haltung gleich wieder an.

Das Öffnen der Beine und Ringfinger entlässt das Pferd in die Bewegung. Eilen und Klemmen sind beide ein Ausdruck mangelnder Kraft. Der Reiter achtet deshalb darauf, dass das Pferd in Ruhe antritt und fliessend, aber nicht zu schnell ausschreitet. So entwickeln sich die Muskulaturen und das Vertrauen wächst.

Und was, wenn das Pferd nicht loslaufen will? Dann stimmt irgend etwas mit der Ausbildung nicht. Das Pferd ist demotiviert und der Reiter macht sich auf die Suche nach den Gründen.

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