Jakobskreuzkraut - Ein Pflanze verbreitet sich

Jakobskreuzkraut

Jakobskreuzkraut

Erfahrungsbericht einer Leserin

Freia Schultz-Friese - Jan 17, 2009: Besonders auf wenig genutzten Weiden, Brachflächen, Wegrändern und Böschungen breitet sich diese zweijährige Giftpflanze weiter aus. Die Pflanze ist leider auch noch im Heu sehr giftig. Diesbezüglich erreichte uns der nachstehende Leserbrief, für den wir Moni Dowe aus Solingen recht herzlich danken. Wenn auch Sie Erfahrungen mit Giftpflanzen bei Pferden gemacht haben und diese gerne weitergeben möchten, dann schreiben Sie an redaktion@pferde.biz. Wir freuen uns auf Ihre Mails.

T E U F E L S Z E U G ! ! ! ! ! ! 

... meine Erfahrung damit und wie meine Homöopathin es geschafft habt, dass wir heute wieder reiten können:

Wann genau es anfing, ist mir inzwischen überhaupt nicht mehr klar. Aber es muss im Laufe des Sommers gewesen sein - nach der Heulieferung.

Aber von Anfang an - auch eine wichtige Doku für mich!

Schon vor den Herbstferien habe ich mich gewundert, warum meine Pferde leistungsmäßig und körperlich abgebaut haben. Doch: da war zum einen der Stress einiger Veranstaltungen in den letzten 2 Monaten Besonders zeigte sich das in Büren, wo vor allem Talia ziemlich neben der Spur war.

Auch Gespräche mit Tierärzten schoben die Beobachtung des Leistungsabfalls auf die vergangenen Wochen. Zudem auch noch der Zahnarzt mit 'Groß'-Behandlung da war - und so 'ne Narkose ist ja auch nicht von der Hand zu weisen.

Also ging ich - und auch mein Tierarzt - davon aus, dass die Ruhe in den Herbstferien und das Ende der Turniersaison auch die Pferde wieder anders aussehen lassen wird. Doch weit gefehlt. Als ich aus dem Urlaub wieder kam, habe ich mich besonders beim Anblick unseres Ponys erschrocken - dachte aber dann doch an 'Haluzinationen', bis eine Freundin - die die Pferde während meines Urlaubs versorgte - mich drauf ansprach.

Sie hatte mächtig an Muskulatur abgebaut; sah eigentlich aus, als ob sie Monate nur noch in der Ecke gestanden hätte. Selbst geliebte Ausritte waren eher Schleichritte. Bei beiden. Sie schlurften – im wahrsten Sinne des Wortes - nur noch durch die Gegend. Dinge der Umgebung (laute LKWs oder plötzlich auffliegende Vögel) interessierten nicht mehr.

Auch dem Schmied fiel es negativ auf. Die Hufe waren wie abgewetzt - besonders bei Talia. Doch auch da kamen wir nicht auf den Zusammenhang. Aber es beunruhigte mich dennoch sehr. Irgendetwas musste die Ursache sein! Wieder Gespräch mit TA; aber immer noch kein konkreter Anhaltspunkt. Eine Blutuntersuchung war für die nächste Woche geplant.

Zu all diesem Durcheinander kam noch dazu, dass ich außerdem rausgefunden hatte, warum ich Talia unterm Sattel nicht reell versammeln kann. Von unten (Langzügel) klappte es ja. Es lag am Sattel. Er war vom Baum her einfach zu lang. Also habe ich auch ihre 'abgewetzten' Hufe darauf geschoben. Wenns im Rücken drückt, kann man eben die Beine nicht mehr richtig heben.

Doch es war immer noch keine Erklärung für die Schlappheit und den Muskulaturabbau der Pferde, was immer schlimmer wurde.

Montags im Unterricht war das Pony ziemlich von der Rolle. Auch Talia schaffte kaum eine komplette Runde in der 20 x 60 Halle zu galoppieren ohne auszufallen. Dienstags wunderte ich mich über wasserartige Kuhfladen im Auslauf und hatte schnell raus, wer es war: TALIA. Sie äppelte alle 5 Min. Auch die Äppel der anderen waren nur noch Wasser.

Da ich aber montags eine neue Lieferung Hafer bekommen hatte, schob ich alles darauf. Sonst hatte sich ja nichts geändert am Futter. Auf der Wiese waren sie auch nicht. Was sollte es sonst sein. Also meinen Haferlieferanten (ein Bauer) angerufen, der mir den Hafer immer frisch quetscht und mit Leinöl ölt. Vielleicht war das Öl ja schlecht. Über seine erste Entrüstung kamen wir dann dahin, dass ich doch mal das Heu kontrollieren sollte. 'Wo nach soll ich denn suchen?' 'Na, nach gelben Blüten - zunächst einmal.' Kurios, aber ich wurde sofort fündig. Sogar eine ganze Pflanze - einfach nur gepresst; sah aus, wie zwischen Büchern für den Bio-Unterricht getrocknet. Aber das akute Lebensgefahr für meine 4beiner bestand, das war mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar.

Am nächsten Morgen habe ich meinen TA angerufen; er kam und bestätigte den Verdacht. Blutprobe. Folgende Leber-Werte kamen dabei raus:

Classi:

  • ALT (GPT) Soll 2-15 ist 16,8
  • Gamma-GT Soll <30 ist 172
  • AST (GOT) Soll 75-600 ist 1012
  • GLDH Soll <12 ist 355,1

 

Talia:

  • ALT (GPT) Soll 2-15 ist 17,6
  • Gamma-GT Soll <30 ist 87
  • AST (GOT) Soll 75-600 ist 773,5
  • GLDH Soll <12 ist 125,9 

Was ich zu diesem Zeitpunkt - leider oder Gott sei Dank ist fraglich - nicht wusste, dass vor allem die Werte von Classi lebendsbedrohlich sind.

Mein TA wollte - wie ich heute aus gutem Grund - nicht mit klassischer Behandlung dran, sondern wir vereinbarten, dass wir zunächst über das Futter (sehr viel Stroh und Heu kaum Kraftfutter - Strich wenig Eiweiß und Kohlenhydrate) und zusätzlich Homöopatie versuchen wollten, die Werte wieder zu normalisieren. Also in Mengen bis zum Abwinken Heu und Stroh füttern, außerdem in Wasser aufgeweichte Gerste. In Zusammenarbeit einer Homöopathin konnten wir vor allem Classi stabilisieren und nach einer Woche (auch mein TA wollte es nicht glauben) hatten wir folgende Werte:

Classi:

  • ALT (GPT) Soll 2-15 ist ?
  • Gamma-GT Soll <30 ist 176
  • AST (GOT) Soll 75-600 ist 925
  • GLDH Soll <12 ist 157

 

Talia:

  • ALT (GPT) Soll 2-15 ist ?
  • Gamma-GT Soll <30 ist 124
  • AST (GOT) Soll 75-600 ist 819
  • GLDH Soll <12 ist 59

 

Doch trotz der eigentlich bei Classi deutlich besseren Werten, ging es ihr schlechter. Aber warum???????????? Ich hatte inzwischen natürlich versucht, gutes abgelagertes Heu zu bekommen. In diesem Jahr mehr als schwer. Leider habe ich auch da wieder voll in die Kacke gegriffen. Nachdem ich die ersten Lagen des Rundballen verfüttert hatte (sie waren in meinen Augen sehr staubig, aber anders irgendwie - doch ein Laie hat ja keine Ahnung; so der Lieferant) kam dann das böse vermutete Erwachen: IM KERN VERSCHIMMELT. Anruf beim Lieferanten: 'Kann doch mal passieren! Kann ja nicht in jeden Ballen reingucken! Mach den nächsten auf und probier den!' Gesagt getan. Wieder dasselbe Spiel! Auch die Pferde WOLLTEN das nicht fressen - und Pferde lügen nicht. Blutwerte und Verhalten auch nicht.

Und durch den Schimmelpilz wurde die Leber meiner Hotties nochmal extrem belastet. Deshalb ging es ihnen offensichtlich schlechter.

Also mussten wir jetzt die Leber nicht nur vom Jakobskreuzkaut entgiften sondern auch noch von den Schimmelpilzen. In Absprache mit meinem TA fütterte ich nun, um kein Futterrisiko mehr einzugehen, Metadiät (38,40/Sack) von St. Hypolyth und Prealpin Heucobs (14,50/Sack) von Agrob. Die Rechnung des Lieferanten hat sich gewaschen: ca. 600 Euro für 4 Wochen. Und es war noch lange nicht vorbei.

Einzig: Den Pferden ging es deutlich besser. Der Gamma-GT war zwar immer noch extrem hoch (die Kopie der Werte habe ich gerade nicht da), aber die anderen Werte waren deutlich gesunken. Warum, wurde uns schnell klar. Es war die Behandlung mit Senecio jakobea (s. u.).

Homöopathische Behandlung:

Wichtig zu bemerken ist es, dass kein Mittel zusammen mit einem anderen gegeben werden durfte und zwischen 2 Mitteln mind. 20 min., besser 30 min., Zeit sein musste.

Beginn der Behandlung

1.[b] Durchfall [/b]

noch nicht wissend, das es eine Jakobskreuzkrautvergiftungist:

1. zwischen dem 17. + 29. Oktober

Bekämpfung des Durchfalls mit

* Carbo vegetabeles (Holzkohle) C200 und

* Nux vomica (Brechnuss) C200

=> 2 Tage morgens und abends je 5 Tropfen

=> danach 3 Tage 1 x tgl. 

2. Bestätigung des Vergiftungsverdachtes durch den TA (großes Blutbild - Werte s. o.)

30. Oktober bis 06. November 

Symtome: Hochgradiger Durchfall und Gähnen (Symptom der Nervenreizung) und sehr erschöpft:

Die erste Mittelgabe war Nux vomika in XM Potenz. Reaktion; vor allem bei Classi: 

Die Augen fielen zu, sie schwankte, die Lippen und Augenlider zittern. Alles so ca. 2 Minuten lang, dann war es vorbei. Die vorher sehr trüben Augen wurden schlagartig wieder klarer und vorgesetzes Heu wurde sofort 'gemümmelt'.

Weitergehende Behandlung mit:

- Gelsenium (wilder Jasmin)

- Crot h. (Waldklapperschlange)

- Caulophyllum (Blauer Cohosch)

- Phosphorus (gelber Phosphor)

- China (Chinarindenbaum)

- Nux vomica (Brechnuss)

(alle Mittel in C200)

* 1. Tag: jedes Mittel stdl.; Phosphor 1/2 stdl.; China 3 x tgl.

* 2. Tag: alle Mittel mind. 4 x; Phosphor stdl.; China 3 x tgl.

* 3. Tag: alle Mittel mind. 3 x; Phosphor 1,5 stdl.

* ab 4. Tag: alle Mittel mind. 2 x; Phosphor 4 x

 

7. bis 19. November

* Wiesbaden (Globolies einer Heilquelle aus Wiesbaden) M-Potenz,

* Prunus spinosa (Rosaceae - Rosengewächs) 18LM-Potenz,

* Bryonia (Weiße Zaunrübe) C30-Potenz,

* Carduus Marianus (Mariendistel) 18LM-Potenz

07.11.: alle 1/2 Std. jedes Mittel

08.11.: jedes Mittel 5 x

09.11.: jedes Mittel 4 x

10.11. und 11.11.: jedes Mittel 2 x

ab 12.11. jedes Mittel 1 x

 

19. November 2007:

Genesung stoppt; Beschwerden nach verschimmeltem Heu, Pferde fressen nicht mehr:

Entgiftung mit dem Mittel Senecio jakobea (Jakobskreuzkraut) C30-Potenz.

Eine Entscheidung zwischen Leben und Tod. Machen oder nicht machen. In keiner Literatur gab es Hinweise darauf, dass dieses Mittel jemals als Antidot (Gegenmittel) eingesetzt wurde. Keiner konnte die Körperreaktionen voraussagen. Wären sie umgefallen, wären sie nicht mehr. Aber es war eigentlich der einzige Weg ... Selbst unser TA wollte mit 'normaler' Medizin nicht mehr dran. Leberwerte waren zwar besser, aber eben nicht stabil genug, eine Leberbehandlung durchführen zu können. Also die Entscheidung: Hop oder Top.

Warum wir damit so lange gewartet haben? Na ja, hätten wir das Senecio sofort eingesetzt, wären sie gestorben!

Classi bekam das Mittel als erste. Ihre Reaktion: Sie stand ungefähr 5 Minuten da, als ob sie eine Narkose bekommen hätte, zitterte am ganzen Körper. Dann war der 'Anfall' vorbei. Erste Tat: Ich hab Hunger. Soviel hat sie seit Wochen nicht mehr auf einmal in sich hineingestopft! Dann Talia: Ihre Reaktion war nicht so heftig, aber ähnlich.

Zusätzlich, um den Körper noch weiter bei der Produktion von Antikörpern zu unterstützen, bekamen sie noch

* Agaricus (Fliegenpilz) C30-Potenz

* Belladonna (Tollkirsche) C200-Potenz und

* Nux moschata (Muskatnuss) 18LM-Potenz

wieder jeweils in C200 1 x täglich.

Ich bin davon überzeugt, dass diese 'Rosskur' ihnen letztendlich das Leben gerettet hat.

Die 'Abschlussbehandlung' ab Anfang Dezember bis Weihnachten erfolgte mit folgenden Mitteln: 

* Nux muschata (Muskatnuss) in 18 LM

* Nux vomika (Brechnuss) in C30

* Senecio (Jakobskreuzkraut) in C30

* Agaricus (Fliegenpilz) in C30

* Belladonna (Tollkirsche) in C200

* Carduus marianus (Mariendistel) in 18 LM

* Mercurius (schwarzes Quecksilberoxid) in 18 LM

* Carbo vegetabiles (Holzkohle) in C200

 

Die Mittel wurden zunächst tgl. (3 Tage), dann jeweils 3 x alle 2 Tage und 3 Tage, zum Schluss dann ausklingen lassen. Das ganze über 4 Wochen verteilt.

Am 12.12. wechselten wir zum letzten Mal die Mittel zur Ausheilung der Leber:

Vipera berus (Kreuzotter)

Malleinum (Übersetzung fehlt mir leider)

Bilirubin (Übersetzung fehlt mir leider) 

Alles in C200 je 1 x täglich.

 

Erstaunlicherweise waren am 4. Januar wieder alle Blutwerte im Normbereich. Nun können wir langsam wieder mit der Aufbauarbeit beginnen.

Die Pferde haben wieder sichtlich Spaß am Leben. Ausritte machen ihnen wieder super viel Spaß - die Umgebung wird wieder voll und ganz wahrgenommen.

Ende März / Anfang April gab es bei Classi nochmal einen Einbruch. Classi wurde in der Arbeit wieder müde und sah irgendwie ‚fertig‘ aus – obwohl wir nach wie vor noch in der Aufbauphase waren und noch nicht in der ‚vollen‘ Arbeit. Die Kontrollblutprobe brachte es zu Tage: Wieder stiegen die Werte des Gamma-GT auf knapp über 100. Alle anderen waren im Normalbereich.

Gleichzeitig fing sie aber auch extrem mit dem Haarwechsel an. Also unterstützten wir nochmals den Stoffwechsel und mit Phosphorus und China die Leber. Trainingspause. Siehe da: In 1 Woche war auch das wieder vergessen.

Da wir seit August aufgrund der Leberbelastung keine Wurmkur machen konnten, war auch die nun an der Reihe. Alle haben sie gut überstanden, wenn auch mit ein paar Tagen großer Müdigkeit.

Doch das zeigt genau: die Vergiftung hat ihre Spuren hinterlassen. Alles, was in Zukunft in welcher Form auch immer, die Leber belastet, hat nun schwerere Auswirkungen, als vor der Vergiftung. Der Körper braucht wesentlich länger zum ‚Verdauen‘ als vorher.

Alles in allem habe ich in diesem schweren halben Jahr gelernt, viele Verhaltensweisen meiner Pferde besser zu beobachten bzw. zu deuten und schon bei geringsten Abnormalitäten zu reagieren. Pferde können eben doch sprechen; nur wir verstehen sie so schwer.

Haben Sie auch Erfahrungen mit Giftpflanzen bei Pferden, die Sie gerne weitergeben möchten? Dann schreiben Sie uns unter redaktion@pferde.biz

 

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