Neue Serie: Alles zum Thema Barhuf

Geht es ohne Hufbeschlag?

Unbekannt - Feb 14, 2009: Heute und in den nächsten Wochen möchten wir uns an dieser Stelle mit dem Thema Pferdehuf beschäftigen. Insbesondere mit den Möglichkeiten, sein Pferde auch ohne Eisen o.ä. reiten und trainieren zu können.

Der nachstehende Artikel wurde uns freundlicherweise von Frau Tina Gottwald aus Waldems zur Verfügung gestellt. Wir danken Ihr recht herzlich dafür.

Warum Barhuf?

Es stellt sich zunächst einmal die Frage, warum eigentlich die vielen Gedanken über Hufe, beschlagen ist doch viel einfacher und wurde 'schon immer' so gemacht? Was wollen wir eigentlich erreichen?

Die Natur hat das Pferd mit einem an seinen Zweck- nämlich auf der Suche nach Nahrung täglich viele km zurückzulegen- perfekt angepassten Huf ausgestattet. Dieser hat vielfältige Eigenschaften, dient als Stoßdämpfung, Blutpumpe, Tastorgan. Das Pferd mit einem künstlichen Hufschutz auszustatten heißt die natürliche Funktion des Hufes einzuschränken. So zum Beispiel der komplette Verlust der Stoßdämpfung mit Eisenbeschlag, die Herabsetzung des Tastvermögens und damit der Trittsicherheit bei Hufschutz... Nicht nur das Material des Hufschutzes beeinflusst den Huf, sondern auf die damit einhergehende (negative) Veränderung der Hufform- und Qualität. All dies geht auf Kosten der Pferdegesundheit.

Unser Ziel sollte es sein, unserem Reit- oder Fahrpferd einen leistungsfähigen, gesunden Huf zu ermöglichen. Es geht hier nicht darum, dem Huf eine optimale Form zu verpassen, weil die schön oder gut ist, sondern weil das Pferd auf optimalen Barhufen maximale Leistung bei gleichzeitig optimaler Gesundheitsvorsorge bringen kann.

Kaum jemand bestreitet, dass Barhuflaufen eigentlich das beste für die Pferde ist, aber oft wird behauptet, dies sei eben leider nicht möglich, wenn das Pferd geritten wird.

Dies möchte ich widerlegen. Gesunde Barhufe sind sehr leistungsfähig. Solange das Pferd nicht zu den extrem seltenen Ausnahmen mit krassen Fehlstellungen o.ä. gehört ist es problemlos möglich, ein Pferd bei den üblichen Anforderungen des Freizeit- und Breitensportes Barhuf zu Reiten oder zu Fahren. Für sehr ungünstige Bodenverhältnisse oder höhere Anforderungen wie z.B. Wander- und Distanzritte eigenen sich Hufschuhe hervorragend.

Das Bild zeigt einen gesunden Barhuf - leistungsfähig, schotterfest, problemlos!

Barhuf- Ideologie?

Oft sieht man sich als Verfechter des Barhuflaufens mit dem Vorwurf konfrontiert, eine 'ideologische' Position einzunehmen, die den Pferden nicht diene. Auch wird behauptet, je mehr Möglichkeiten des Hufschutzes oder der Bearbeitung jemand angewendet, desto besser.

Diese 'Vorwürfe'  möchte ich nun etwas näher betrachten. Unter einer Ideologie wird in diesem Sinne (kritisch) verstanden, subjektive Wertbekundungen in Form wissenschaftlicher Aussagen zu kleiden.
Hier wird klar, dass dies auf die 'Barhuf- Bewegung', zumindest in weiten Teilen, nicht zutrifft. Die negativen Auswirkungen des permanenten Hufschutzes, insbesondere des Hufeisens, sind bekannt und durch Experimente zugänglich (z.B. Dämpfungswirkung, 'Klirreffekt' des Hufeisens, Gleitender Gang, Verminderung der Hornqualität, Hufformveränderungen etc.) . Die meisten dieser Effekte sollten eigentlich unmittelbar einsichtig sein, viele Messungen wurden schon vorgenommen, und jeder kann die Pferde in seiner Umgebung beobachten. Es handelt sich hier also nicht um 'subjektive Wertbekundungen', sondern um für jeden nachprüfbare Fakten.

Dass es möglich ist, Pferde Barhuf zu reiten und zu fahren, beweisen viele Barhufpferde in aller Welt. (Für viele Beispiele siehe z.B. Jamie Jackson: Owners Guide to Natural Hoof Care).

Weiter geht es mit der Möglichkeit, Hufkrankheiten Barhuf zu heilen (z.B. Spalten, Zwanghufe, Hufrehe). Dies entspricht momentan nicht der tierärztlichen Lehrmeinung, wird jedoch mit großem Erfolg praktiziert.  Leider besteht anscheinend bei einem Großteil der Tierärzte eine Unwissenheit oder Ablehnung gegenüber Alternativen zum 'orthopädischen Beschlag'. Es wäre wünschenswert,  die Barhuf- Alternative in Studien mit der herkömmlichen Behandlungsmethodik zu vergleichen. Bis dahin bleibt dem betroffenen Pferdebesitzer nichts weiter übrig, als sich gründlich über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und das bei seinem Pferd anwenden zu lassen, was ihn mehr überzeugt. Die Barhufbearbeiter sollten ihrerseits stets offen bleiben, und nach Möglichkeit die Zusammenarbeit suchen.

Schließlich zu der Behauptung, je mehr Möglichkeiten des Hufschutzes jemand befürwortet oder anwendet, desto besser. Meiner Meinung nach ist das so nicht richtig. Der 'normale', natürliche Huf ist ein Barhuf. Mit diesem kann man - mit Ausnahme einiger Bereiche des Leistungssportes- alles erreichen, was man als Reiter und Pferdebesitzer erreichen möchte. Immer, wenn man theoretisch mehrere Möglichkeiten hat, um ein Problem zu lösen, die Lösung 'Barhuf' (mit evtl. Hufschuhen als vorübergehender Schutz) bietet sich hier immer am meisten an, denn sie ist die am nächsten liegende, einfachste. Warum also technisch, kompliziert, wenn es auch einfach geht?
Für die allermeisten Zwecke genügt die Barhufbearbeitung also völlig, wenn sie korrekt und gekonnt angewendet wird. Sie ist die Basis jeder Hufbearbeitung.

Für Ausnahmen, z.B. Hochleistungs- Distanzpferde, Springen, Vielseitigkeit ist ein permanenter Beschlag durchaus zu rechtfertigen. Diese Kenntnisse und Fertigkeiten benötigt nur eine kleine Minderheit der Hufbearbeiter.

Wer an freizeitgerittenen Pferden massenhaft verschiedene Hufschutztechniken benötigt (Eisen, Alu, Kombibeschläge, Kunststoff, Kunsthorn, Klebetechnik etc. etc. ) zeigt meiner Meinung nicht seine besonders gute Ausbildung, sondern macht irgendwo einen gravierenden Fehler, denn er ist offensichtlich nicht in der Lage, den Pferden zu ermöglichen, auf 'ganz normalen' Barhufen zu laufen. Am Barhuf bieten sich Möglichkeiten, Hufprobleme nachhaltig zu beseitigen, die 'Lichtjahre' über das hinausgehen, was man mit einem permanenten Beschlag erreichen kann. Wenn eine Korrektur mit Beschlag gelingt, tut sie das meiner Erfahrung nach eher wegen einer korrekten Barhufbearbeitung als aufgrund des Beschlages.
Jedoch ist ein Beschlag bei einem Problem schnell auf den Huf geschlagen. In vielen Fällen ist das Problem (z.B. Fühligkeit aufgrund verbogener Wände)- damit erstmal verdeckt worden, der Pferdebesitzer ist zunächst beruhigt und zufrieden mit seinem Hufbearbeiter. In den allermeisten Fällen meldet sich das Problem jedoch später wieder, und zwar umso schlimmer, in unserem Beispiel könnte es z.B. zu einer Hufbeinsenkung kommen. Dann hat man ein wirkliches Problem, jetzt eine nachhaltige Sanierung des Hufes zu erreichen, ist ungleich schwerer, als wenn man es gleich getan hätte. Damit wären dem Pferd unnötige Leiden oder gar der Weg 'in die Wurst' erspart geblieben. Die Verlockung der 'schnellen Lösung' ist gewaltig... Ich würde daher jedem Pferdebesitzer, der ein Barhufpferd wünscht, einen Hufexperten empfehlen, der nicht routinemäßig beschlägt. Ein solcher Hufbearbeiter muss und wird sich Gedanken über eine nachhaltige- nicht schnelle- Problemlösung machen. Es gibt sicher Ausnahmen, allerdings ist es meiner Erfahrung nach nicht empfehlenswert, Barhufkunde eines Hufexperten zu sein, der z.B. 95% der Kundenpferde beschlägt.

Toleranz gegenüber anderen Meinungen bedeutet nicht Beliebigkeit! Dem Pferd schädliche oder offensichtlich nicht erfolgreiche Behandlungen des Hufes dürfen mit Entschiedenheit abgelehnt werden. Diskussionen, auch 'Streit' über die richtige Bearbeitung des Hufes sind gut, wenn sie sachlich geführt werden. Dann sollte sich das Wissen zum Wohle der Pferde erweitern, die Forschung rund um den Huf sollte weitergeführt und diskutiert werden. Niemand sollte jedoch den Fehler begehen, sich für 'allwissend' zu halten und alle anderen ohne Diskussion verurteilen, das nützt niemandem, besonders nicht den Pferden.

Von diesen mehr theoretischen Erwägungen nun zur 'Praxis':
 

Was sind im Einzelnen die Eigenschaften des Hufschutzes?

 

Eisenbeschlag Plastiks Hufschuhe Barhuf
Uneingeschränkte Nutzung auf jedem beliebigen Boden Pferd fühlt Boden eingeschränkt wie Plastics Pferd fühlt Boden und achtet auf seine Beine
Keine Stoßdämpfung mehr möglich, besonders in der Vertikalen Stoßdämpfung ist möglich Wie Plastiks Stoßdämpfung und Hufmechanik funktionieren optimal.
Stoß beim Aufhufen wird verstärkt (!, nicht nur keine Dämpfung), zusätzlich hochfrequente Schwingungen Stoß wird gedämpft wie Plastics Stoßdämpfung und Hufmechanik funktionieren optimal.
Schlechte Durchblutung, mangelhafte Hornqualität Die Hornqualität ist beeinträchtigt Keine Beeinträchtigung bei sinnvoller Anwendung Optimale Durchblutung, die Hornqualität ist gut und widerstandsfähig
Hohe Verletzungsgefahr, für Pferd und Mensch Geringe Verletzungsgefahr Geringe Verletzungsgefahr, da barhuf in der Herde Geringe Verletzungsgefahr.
"Schlittschuhgang" Gang fast wie barhuf Zu schwere Modelle können den Gang verändern Natürlicher Gang, Tastvermögen ist vorhanden.
Schlechte Trittsicherheit, gefährlich für Reiter und Pferd Oft glatt auf Wiesen Wie Plastiks Sicherer Gang auch auf schwierigen Untergründen, dank 'Profil' und 'durchdachter' Anordnung von weichem und harten Horn.
Veränderung der Hufform: Horn wächst während der Beschlagsperiode 1-2 cm. Der zu lange Huf verbiegt sich nach vorne, der Last davon. Sehr gut zu sehen: Krämer Katalog S.115 Nr. 10. Resultat ist die häufigste Fehlstellung: Untergeschobene Trachten Wie beim Eisenbeschlag, oft noch massiver Keine Änderung der Hufform, das natürliche Gleichgewicht von Abrieb und Wachstum wird erhalten Keine Änderung der Hufform, das natürliche Gleichgewicht von Abrieb und Wachstum wird erhalten
Korrektur von Hufveränderungen nicht oder kaum möglich, plötzliche Stellungsänderungen alle 6-8 Wochen Wie Eisenbeschlag Korrektur am Barhuf möglich Korrektur am Barhuf möglich
- - Druck, Scheuerstellen möglich  
Hoher Preis Hoher Preis Günstig (Hufschuhe sind sehr haltbar, je nach Modell bis zu 1000 km, können danach noch besohlt werden...) Sehr günstig.
Nutzungsausfall durch Vernagelung, Eisenverlust.... wie Eisen Pferd jederzeit bereit zum Reiten wie Hufschuhe

 

 Lesen Sie im nächsten Newsletter u.a.

Destruktiver Einfluss der Eisen auf die Hufform

Wo ist ein Hufschutz notwendig?

Rutschgefahr oder: Sind Stollen notwendig?

 

 

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