2. Folge: Alles zum Thema Barhuf

Geht es ohne Hufbeschlag?

Unbekannt - Feb 27, 2009: Im heutigen Artikel beschäftigen wir uns u.a. mit folgenden Barhuf-Themen:
Destruktiver Einfluss der Eisen auf die Hufform?
Wo ist ein Hufschutz notwendig?

Der nachstehende Artikel wurde uns freundlicherweise von Frau Tina Gottwald aus Waldems zur Verfügung gestellt. Wir danken Ihr recht herzlich dafür.

Destruktiver Einfluss der Eisen auf die Hufform

Ich schaue jedem Pferd, was mir begegnet, auf die Hufe (und das sind viele!). Anständige, gesunde Barhufe gibt es -erfreulicherweise- recht häufig. Doch leider habe ich noch nie ein dauerhaft beschlagenes Pferd gesehen, was eine gesunde Hufform behalten hätte.
Zum einen gibt eine gewisse Anzahl Pferde, deren Beschläge absolut inakzeptabel verarbeitet sind, so etwas würde wohl auch von guten Schmieden moniert.
Wieder andere Reiter messen die Qualität ihres Schmiedes daran, dass die Eisen mindestens 3 Monate halten... zum Schaden der Hufe.
Dass die Hufe dieser Pferd oft völlig "verkorkst" sind, ist nicht verwunderlich.

Immer wieder jedoch trifft man auf Pferde, die sorgfältig, regelmäßig und nach "neuesten Erkenntnissen" beschlagen werden. Das gilt für"'wertvolle Turnierpferde" genauso wie Freizeitpferde extrem engagierter Hobby- Schmiede. Trotzdem sehen die Hufe desolat aus und zeigen deutliche Anzeichen einer allgemeinen Schwächung. Diese Hufe zeigen meiner Meinung nach den schadhaften Einfluss des Beschlages selbst.


Ein Beispiel von Hufen eines Sportpferdes bei der Europameisterschaft im Dressurreiten (krasse Zwanghufe) 

Ein Pferd kann auch mit Eisenbeschlag mit gesunden Beinen und Hufen alt werden?

 

Ja, ein Pferd kann ohne Probleme mit Beschlag alt werden. Wahrscheinlicher ist es dennoch, dass weit vorher Probleme verschiedenster Art auftreten. Dies sind z.B. Hufverformungen, Risse, Fühligkeit nach Beschlag, Verschleißerscheinungen der Gelenke (Arthrose, Hufrolle...), Verletzungen (Sehnen, Bänder....) sogar Rückenprobleme uvm!
Je früher ein Pferd als Jungpferd beschlagen wurde, je "problematischer" der Huf, je länger die Dauer des Beschlags war und je schlechter die handwerkliche Arbeit ist, desto wahrscheinlicher sind Schäden.

Barhuflaufen leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung

Tierärztliche Statistiken und Untersuchungen haben ergeben, dass etwas 90% der der Gesundheitsprobleme beim Pferd Lahmheiten sind.  Widerrum sind die meisten dieser Lahmheiten im Huf begründet. Wenn Lahmheiten und Hufprobleme bei unseren Pferd so häufig sind, liegt es sehr nahe, zu schließen, dass die übliche Hufbehandlung an diesen Problemen nicht ganz unschuldig ist. Durch Barhuflaufen und korrekte Hufpflege kann man einen aktiven Beitrag dazu leisten, Hufprobleme und Lahmheiten vorzubeugen, das sind im einzelnen:

 

    • Verletzungsgefahr: Ein beschlagenes Pferd (erst recht mit unphysiologischer Hufform) neigt zum streichen, greifen, stolpern, ausgleiten.  Barhuf mit korrekter Hufform treten diese Probleme nur sehr selten auf.

    • Verletzungsgefahr die zweite: Beschlag bedingt notwendigerweise, dass die Hufe alle 6-8 Wochen recht drastisch und ungleich gekürzt werden. Dadurch wird Unruhe in Gelenken und Sehnen geschaffen, was schlapp war wird straff und umgekehrt. Die Zehengelenke des Pferde (Schaniergelenke, nicht für seitliche Beweglichkeit gedacht) werden unphysiologischen seitlichen Belastungen ausgesetzt. Auf diese Weise werden z.B. Sehnenverletzungen von schon vorstrapazierten Bereichen provoziert. Das gleiche gilt für unphysiologische Hufformen aller Art.

    • Übereinstimmend wird angegeben, dass eine 'lange Zehe' (z.B. am Ende einer Periode mit Eisenbeschlag) Sehnenschäden provoziert. Beim regelmäßig ausgeschnittenen Barhufpferd kann so etwas nicht vorkommen, da sich die Hufe im Gleichgewicht aus Abrieb und Wachstum befinden, der Abrollpunkt liegt weit hinten.

    • Durch den Beschlag werden die inneren Strukturen des Hufes (Strahlkissen, Hufknorpel), die wichtige Funktionen der Stoßdämpfung ausüben und gut entwickelt besonders vor der gefürchteten "Hufrollenerkrankung" schützen, geschwächt oder noch schlimmer, in ihrer Entwicklung schon beim jungen Pferd gehemmt. Da der Huf durch den Beschlag "ruhig gestellt" wird, werden die inneren Strukturen nicht trainiert. Schlimmstenfalls hat ein erwachsenes Pferd innere Strukturen des Hufes, die in ihrer Stärke dem Gewicht eines Fohlens angemessen waren!

    • Hufrehe: Ein oft vergessener Risikofaktor ist die Hufform. Die Rehe entsteht in der Regel auch nicht 'plötzlich' sondern dann, wenn die Belastung durch unphysiologische Hufe und Umgebungsbedingungen (Fütterung, Belastung....) das Fass zum Überlaufen bringen.  Hufrehe bedeutet ja, dass die Hufwand den Halt am Hufbein ganz oder teilweise verliert. 

      Gesunder Huf (Querschnitt): Die Hufwand verläuft gerade, die Blättchenschicht (siehe Grundlagen) ist schmal, die Aufhängung fest und sicher.


    • Ganz im Gegensatz dazu eine Hufform, wie sie extrem häufig zu finden ist und die Rehe (egal welcher Form!) geradezu heraufbeschwört:
      Die Zehenwand (oder auch ein anderer Wandanteil) ist verbogen. Bei jedem Schritt wird die Hufwand ein wenig vom Hufbein weggezogen, die Blättchenschicht ist verbreitert, und meist noch verfärbt.
      Bei einem weiteren "Tropfen" ist die Hufrehe da.
      Ein solcher Huf kann sich auch einer schleichenden Hufrehe verdanken (dies ist hauptsächlich eine Definitionsfrage) z.B. bei deutlich zuviel Futter, Verfettung usw. Nicht nur das, das wegziehen des Zehenwand ist natürlich schmerzhaft und ein Barhufpferd mit solchen Hufen wird fühlig laufen. So erklären sich übrigens auch ganz natürlich Fälle von Hufrehen nur in einer Hufhälfte (Hufatlas, C. Politt), die unter Tierärzten für Rätselraten sorgt.

      Wenn ihr Pferd Hufe wie unten abgebildet hat, trägt es eine tickende Hufrehe- Zeitbombe. Es sollte etwas unternommen werden, bevor es zur Rehe kommt. Natürlich ist es wichtig, korrekt anzuweiden  und ähnliche Vorsichtsmaßnahmen, die Hufform ist aber ein ganz entscheidender Faktor der meist vergessen wird.

    • Stößdämpfung: Durch die Verstärkung (!) des Stoßes vom Boden bei Eisenbeschlag und hochfrequente Schwingungen werden allerlei Gelenkerkrankungen provoziert. Besonders natürlich, wenn das Pferd auf hartem Boden arbeitet....
      Schauen sie sich hierzu diese Videos an:
      Youtube: Barhuf- Aufhufen
      Youtube: Beschlag- Aufhufen
      "Hufrolle", Schleimbeutelentzündung etc. werden durch schlechte Hufform (lange Zehe, untergeschobene Trachten) begünstigt. Ebenso verursacht eine solche Hufform leicht Symptome ähnlich denen einer Hufrollenentzündung.

    • Strahlfäule und ihr Nachfolger, der Hufkrebs entstehen besonders leicht bei zu engen Hufen (Zwang) wie sie sehr oft bei Beschlag zu finden sind.

    • Hufknorpelverknöcherung wird vor allem durch einen unkorrekten Beschlag befördert....

    • White Line Disease (Gammel in der Blättchenschicht): Tritt besonders bei einer durch schräge Wände oder Beschlag geschwächten Blättchenschicht auf

    • Hohle Wand: Ihre Ursache liegt in einer Ungleichbelastung des Hufes, die mit permanenten Hufschutz schlecht zu korrigieren und erst spät zu erkennen ist.

    • Hufgeschwüre und Abszesse werden durch schlechte Hufformen begünstigt.

    • Last but not least: Während ein Pferd mit Beschlag trotz kranker Hufe noch läuft bis die Schädigung so schwer ist, dass eine Lahmheit endgültig vorliegt, fällt beim Barhufpferd ein Problem viel früher auf, und man kann es viel früher lösen, bevor eine schlimmere Schädigung eingetreten ist.

 

Man sieht, nicht nur der Verzicht auf Beschlag ist wichtig, sondern auch die Herstellung einer korrekten, physiologischen Hufform!

 

"Historisches"

 

Ganz neu sind diese Erkenntnisse natürlich nicht. Die Nachteile von Beschlag sind seit Jahrhunderten bekannt, als Beispiel möchte ich hier ein Zitat aus "Gymnasium des Pferdes" von Steinbrecht anbringen (1884)

 

"Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, dass es Pflicht des verständigen Bereiters und jedes wahren Pferdefreundes ist, stets das günstigste Reitgelände aufzusuchen . Man scheue keine Mühe und Arbeit, sich für seine Pferde, einen ebenen, weichen und elastischen Reitplatz zu verschaffen und setze sich auch gern der Gefahr der Pfändung aus, wenn man statt der harten, trockenen Chaussee einen guten Feldweg benutzen kann" (Bemerkung von mir: Zum Glück darf man heute ganz legal auf guten Feldwegen reiten!).
"Ein Reiter, der aus Gleichgültigkeit oder eigener Bequemlichkeit sein Pferd auf schlechten Wegen unnütz ermüdet oder gar zu schaden reitet, wenn ihm bessere zu Gebote stehen, ist kein echter Pferdefreund und verdient kein edles, gut gerittenes Pferd zu besteigen. (...). Ist es dem Reiter durch günstige Bodenverhältnisse möglich gemacht, sein Pferd barfuss gehen zu lassen, so gewinnt er dadurch doppelte Vorteile. Die Natur hat den Huf nicht nur mit großer Zähigkeit, sonder auch mit Elastizität ausgestattet, so dass er die inneren weichen Teile genügend schützen und doch die Berührung mit dem Erdboden mildern kann. Infolgedessen ist der Gang eines unbeschlagenen Pferdes nicht nur angenehmer für die Reiter, sondern strengt auch dessen eigene Glieder weniger an als der des beschlagenen, und die Hufe werden außerdem nicht durch unverständige Schmiede in ihrer gesunden Naturwüchsigkeit gestört."

 

Pferde wurden mehrere Tausend Jahre barhuf geritten und gefahren. Schon Xenophon betonte die Wichtigkeit einer korrekten Hufpflege und Trainings. Die Hethiter hinterliessen detaillierte Trainingsanleitungen für ihre Langstrecken- Wagenpferde -aber keine Literatur über Hufprobleme :-)
Erst im Mittelalter wurde der Hufbeschlag erfunden.
In vielen Regionen ist Beschlag auch heute nicht üblich- gerade in solchen, wo das Pferd noch als Transportmittel und Arbeitstier überlebensnotwendig ist (z.B. Mongolei, man achte bei diversen Dokumentationen im Fernsehen mal auf die Hufe der Pferde bzw. Mulis/Esel, ich sah z.B. nur gesunde, schöne Barhufe bei einer Sendung über eine Gebirgsregion im Norden Chinas)

 

Aber warum sind so viele Pferde beschlagen?

 

Eine kleine von mir durchgeführte Umfrage in einen Internet- Pferdeforum ergab, dass etwas mehr als 50% der Pferde beschlagen sind. Wohlgemerkt Freizeitpferde.

 

Die in dem Forum anwesenden gehören schon eher zur "aufgeschlossenen" und informierten Gruppe. In meiner Umgebung sind es 90%

 

Dafür gibt es mehrere Gründe:

 

    • Der Besitzer, der alles so macht wie es schon immer war

    • Der Besitzer, der ohne Rücksicht aufs Pferd reitet

    • Der Besitzer, der möglicherweise mit "Alternativen" schlechte Erfahrungen gemacht hat

    • Der Hufexperte, der nicht in der Lage ist einen barhuf fachgerecht auszuschneiden und damit den Beschlag notwendig macht (weil das Pferd nicht läuft).

    • falsche Haltung

 

Kann jedes Pferd barhuf gehen?

 

Nein, nicht jedes.

Wo ist ein Hufschutz notwendig?

 

Bei Belastungen, für die der Huf nicht ausgelegt ist. Je mehr ich mich mit Barhufen beschäftige, desto mehr bin ich von ihrer Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit beeindruckt. Hufe sind keineswegs so schwach, wie viele denken, sondern von der Natur für härteste Anforderungen vorgesehen. Nahezu alle Probleme unserer Pferde liegen an zu wenig Bewegung und zuwenig Hufpflege, oft kombiniert mit nicht artgerechter Haltung.
Und eben nicht an "schwachen" Hufen, die der Belastung durch den Reit/Fahrsport nicht gewachsen sind, eher haben unsere Pferde viel zu wenig Bewegung.

 

Die üblichen Anforderungen des Freizeit- und Breitensportlichen Reitens (Tägliches Reiten im Gelände (da kann es noch so steinig sein), Dressur und Springen auf Freizeitniveau -auch im Turniersport-, kleine Wander- und Distanzritte usw.)  hält ein gesunder Huf problemlos aus. Ich habe noch kein (gesundes) Pferd gesehen, dem "zu wenig Huf" gewachsen wäre, falls Hufe und Pferd korrekt gepflegt werden.

 

Im Bereich des Leistungssportes- hier fehlt mir die persönliche Erfahrung- mag es Bereiche geben, wo die Grenzen der Leistungsfähigkeit des Barhufes überschritten werden. Oder wo für die Ausübung des Disziplin besondere Hilfsmittel (z.B. Sliding Eisen) benötigt werden. Es gibt aber immer mehr Beispiele von intensiv sportlich genutzten Pferden, die Barhuf sehr gut klarkommen. (Siehe Drabekhoofcare). Albert Fichtel und andere Mitglieder des "Feuerkreises" reiten seit Jahrzehnten ihre Pferde Barhuf auf Langstrecken- Distanzrennen- und dies äußerst erfolgreich.
Bei jedem sportlichen Einsatz des Pferdes sollte dem Pferd gegenüber ethisch verantwortungsvoll gehandelt werden.
Der Gesundheit des Pferdes zu schaden um dem sportlichen Ehrgeiz des Menschen zu befriedigen ist verwerflich.

 

Wie auf dieser Webseite sicher deutlich wird, lege ich Wert auf die Leistungsfähigkeit eines Barhufpferdes. Ein Pferd Barhuf zu belassen, es aber nicht oder kaum oder nur mit Hufschuhen zu belasten, ist zwar lobenswert, aber nicht das zu erstrebende Ziel. Oft wird argumentiert, dass unsere Freizeitpferde ja heute überwiegend nur auf weichem Boden im Paddock rumstehen, und nur wenig leisten müssen. Daher sei ein Abriebsschutz auch nicht notwendig.
Eine solche Aussage legt den Schwerpunkt falsch. Auch und gerade das Pferd, das viel, auf steinigen Böden läuft (und nicht nur den Offenstall schmückt) wird mit gesunden Barhufen bessere Leistungen zeigen als mit jedem Hufschutz, und das auch  noch gesünder.

 

Wird die Belastung des Pferdes höher, ist es immer wichtiger, sich über die Hufe Gedanken zu machen. Ein Beispiel: Ein Dressurpferd steht in der Box, kommt tagsüber auf die Wiese und wird täglich eine Stunde in der Bahn geritten, auf Sand oder Hackschnitzel. Obwohl absolut nicht notwendig, ist das Pferd mit Eisen beschlagen. Hat das Pferd eine korrekte Beinstellung, der Schmied arbeitet ordentlich, und wechselt den Beschlag regelmäßig gibt es zwar weiterhin negative Auswirkungen des Beschlags (Hufverformung, Ausgleiten in der Stallgasse/Hänger, Verletzungsgefahr, Durchblutung), aber diese sind, aufgrund der idealen Böden, auf denen das Pferd arbeitet, vergleichsweise mild. Ein anderes Beispiel: Ein Pferd wird täglich ins Gelände geritten. Die Böden sind teilweise steinig und befestigt. Hier sind die negativen Auswirkungen des Eisenbeschlags wesentlich stärker, da der Verlust des Tastsinnes und der Stoßdämpfung hinzukommt! Außerdem ist die Trittsicherheit hier wesentlich wichtiger und die Hufe werden stärker belastet, also neigen sie auch schneller zu Verformung oder Krankheiten.
Für beide diese Pferde ist es also von Vorteil, Barhuf zu laufen, für das Geländepferd ist es aber wichtiger!
In unserem Gelände gibt es bei Eisenbeschlag und regelmäßigem Geländereiten oft das Problem, dass die Eisen eine Beschlagsperiode nicht überleben sondern vorher abgelaufen sind. Dies war auch bei Alex- Eisen früher der Fall. Ein wesentlich größeres Kilometerpensum läuft er heute Barhuf- ohne Probleme.

 

Die intrinsische Eigenschaft jedes permanenten Hufschutzes, den Abrieb zu verhindern ist wohl eines der größten Probleme zum Nachteil der Hufe. Hufe 'leben' vom ständigen Abrieb (und der Simulation von Abrieb= Hufbearbeitung).

 

Haben manche Rassen "schlechte Hufe"?

 

Nein! Bei üblichen beschlagenen Hufen findet man eine sehr große Bandbreite von Hufqualitäten, von bröselig über weich bis hart und "zu trocken". Nicht selten werden bestimmten Rassen schlechte Hufe zugeschrieben. Es gibt einen riesigen Markt an "Schmiermitteln" und Zusatzfuttermitteln.
Gesunde, natürliche Barhufe haben hingegen nur eine Hornqualität: Eine gute. Natürlich variiert die genaue Form, Größe und Optik der Hufe für verschiedene Rassen, aber die grundsätzliche Funktion und Qualität ist die gleiche.
Es war -zum Glück- nicht möglich dem Pferd die Hufe wegzuzüchten. Denn der Huf ist eine in etwa 10 Millionen Jahren (erste Pferdevorfahren mit Hufen) von der Evolution ausgeklügelte Grundstrategie des Pferdes. Während Größe, Fellfarbe und ähnliches in einigen tausend Jahren menschlichen Einflusses deutlich beeinflusst werden konnten, blieben die Grundeigenschaften des Pferdes unverändert.
So passten sich verschiedene, vom Menschen seit langer Zeit züchterisch beeinflusste Rassen (Iberer ->Mustangs, Warmblüter-> Trakehner in der Namib) usw...) in kürzester Zeit  wieder einem Leben in freier Wildbahn an. Fast alle heutigen Wildpferde sind schlicht Nachfahren verwilderter Hauspferde.
 Die Hufe werden vor allem von der Umwelt (Abrieb) geformt- es wird z.B. von Mustangs berichtet, die ihre wunderbaren Hufe sofort verlieren, wenn sie eingefangen werden und dann keine optimale Hufpflege erhalten. Es handelt sich nicht um super-Hufe. Sondern in jedem Hauspferd steckt die Anlage zu perfekten Barhufen. Am sichersten nutzt man diese aus, wenn man seinem Fohlen von Beginn an korrekte Barhufpflege gönnt.
Der Grundstein für ein Leben auf gesunden, leistungsfähigen Hufen wird im Fohlenalter gelegt! Versäumnisse an dieser Stelle können zu Hufen führen, die zwar in Ordnung sind, aber nicht das Optimum darstellen.
Daher:

 

    • Fohlen brauchen Bewegung und nochmals Bewegung, 24h am Tag auf verschiedenen Böden (niemals Boxennhaltung, nicht nur weicher Boden!)

    • Fohlenhufe werden spätestens im Alter von 4 Wochen das erste Mal kontrolliert/bearbeitet, dann in den gleichen Abständen wie das erwachsene Pferd.
      Niemals(!) die Hufe eines Jungpferdes vernachlässigen! Natürlich sollte man Hufe gar nicht vernachlässigen, aber ganz besonders die eines Jungpferdes nicht.

 

Dann gibt es Ausnahmen....

 

Es gibt Pferde, die durch schwerwiegende Gesundheitsstörungen, chronische Krankheiten, extremste Fehlstellungen nicht Barhuf belastbar sind oder Barhuf evtl. nicht gut bedient.
Soetwas ist extrem selten- und in der Regel leicht zu erkennen. Ich kannte ein einziges solches Pferd. Möglich ist z.B. eine massive Einschränkung des Hufwachstums durch eine Stoffwechselstörung (beachten ob die Stoffwechselstörung z.B. durch spezielle Fütterung zu verbessern ist!) oder eine fortgeschrittene degenerative Krankheit. Reitbar sind solche Pferde in der Regel sowieso nicht. Der Hufschutz dient in einem solchen Fall dazu, ihnen ein weitgehend problemloses Leben auf der Weide zu gönnen. Die negativen Auswirkungen des Beschlags sind bei solchen Pferden zu vernachlässigen. - wie gesagt, sehr selten!

 

Aber was ist mit den 'normalen' Pferden, denen bescheinigt wird, sie könnten nicht Barhuf gehen - zumindest ohne ständige Hufschuhnutzung?
Ich dachte zeitweise, sowas gibt es und ich hätte sogar ein solches Pferd erwischt.
Meine Erfahrung ist, dass dies nicht stimmt. Bei meinem Pferd lag es an nicht optimalem Ausschneiden, dass er zunächst nicht 100% fühligkeitsfrei lief. Auf diesem Niveau bleiben leider viele stecken- vielleicht können meine Erfahrungen hier weiterhelfen! (Dazu mehr auf dieser Seite)


Also:

 

Für das Freizeitreiten ist in der Regel kein Hufschutz notwendig! Wenn Hufschutz, ist dieser in der Regel nur kurzzeitig nötig (z. B für einen Wanderritt). Warum?

 

Der einzige sinnige Zweck jedes Hufschutzes (Eisen, Plastiks, Schuhe) ist der Abriebschutz. Andere Gründe, z.B. Gangverbesserung, Hufkorrektur, Heilung von Krankheiten usw. erweisen sich bei genauerer Betrachtung (siehe auch unten) als nicht haltbar.
Allerdings besteht beim normal genutzten Freizeitpferd (selbst wenn das Gelände etwas härteren Boden aufweist!) in der Regel nicht die Gefahr von zuviel Abrieb. Zuviel Abrieb weist ein untrainierter, korrekturbedürftiger oder in der Umstellung befindlicher Huf auf. Das Argument 'Hufe zu kurz, daher fühlig' ist meist fadenscheinig und wird oft von Leuten vorgebracht, die von Barhufen leider wenig verstehen. Oft gibt ein Schmied diese standardisierte Antwort, weil ihm nichts anderes einfällt.
Der wahre Grund meist:

 

    • die Hufe sind nicht symmetrisch und ungleich belastet. Dadurch, dass hier ein Teil des Hufes extremen, der andere kaum Abrieb erfährt, ist der Gesamtabrieb natürlich extrem ungünstig. Folge hiervon sind oft auch Ausbrüche, Risse usw. Beschlag verdeckt das Problem nur, ist keine wirkliche Lösung.

    • ganz simple Ausschneidefehler wie z.B. starkes kürzen des Barhufes von unten, zu dünn schneiden der Sohle, Eckstreben ungehindert wachsen lassen...

    • Huf ist untrainiert (falsche Haltung)

    • Ausnahme sind Hufe in der Barhufumstellung, hier ist Rücksicht erforderlich

 

Übrigens: Pferde wachsen, je nach Rasse, ca. bis zum 5 oder 6. Lebensjahr. Davon sind die Hufe, die erst bei erreichen des vollen Körpergewichts voll ausgereift sind, natürlich nicht ausgenommen. Durch das Beschlagen von 3- jährigen Pferden, wie es oft standardmäßig beim anreiten geschieht, wird die Entwicklung der Hufe gehemmt,  insbesondere werden die Hufe leicht zu eng.

Lesen Sie im nächsten Newsletter u.a.

Zutaten für ein gutes Barhufpferd ...

Das gesunde Barhufpferd- und Irrwege 

Gangverbesserung durch Eisen?

 

Rubriken