Alles zum Thema Barhuf

3. Folge: Geht es ohne Hufbeschlag?

Unbekannt - Mär 15, 2009: Im heutigen Artikel beschäftigen wir uns u.a. mit folgenden Barhuf-Themen:
Destruktiver Einfluss der Eisen auf die Hufform?
Wo ist ein Hufschutz notwendig?

Der nachstehende Artikel wurde uns freundlicherweise von Frau Tina Gottwald aus Waldems zur Verfügung gestellt. Wir danken Ihr recht herzlich dafür.

Zutaten für ein gutes Barhufpferd ...

 

  1. Das richtige Ausschneiden

    Nicht das barhuflaufen ist schmerzhaft, sondern das laufen in veränderten Hufen! Damit ein Pferd gut barhuf laufen kann, braucht es eine gesunde Hufform.
    Wie sieht die aus?

    Jedes Pferd hat natürlich seine individuellen Hufe. Die Hufe sollten keine Zeichen von Überlastung zeigen. Ein idealer Huf ist symmetrisch, mit geraden Eckstreben (ohne Bodenkontakt), ohne untergeschobene Trachten, ein kräftiger Strahl, gerade Wände, eine schmale weiße Linie sowie eine ebene Sohle mit zur Hufform passender Wölbung!

    Zeichen von Überlastung sind alle Arten von Asymmetrien, z. B unterschiedlich schräge Wände, daneben Ringe und Verfärbungen im Horn. (leider nur bei weißen Hufen zu sehen!). Feste Winkelangaben für den Idealhuf sind nicht sinnvoll. Je nach Körperbau kann ein Pferd steilere oder flachere Hufe haben, wobei Extreme natürlich schlecht sind (aber im Erwachsenenalter nicht mehr groß zu ändern...)

     
  2. Die Haltung

    Damit sich ein gesunder, belastbarer Huf entwickeln kann, ist eine artgerechte Haltung zwingend notwendig. Besonders gilt das für die Aufzucht von Fohlen.

    Das bedeutet vor allem: Bewegung!

    Das Hufhorn ist trainierbar, und zwar in erstaunlichem Maße! Dies funktioniert nur dann, wenn das Pferd seine Hufe auch gebraucht, und sich nicht die Beine in den Bauch steht.

    Ein kurzes Wort zur Hufpflege: Auskratzen und gelegentliches Abwaschen reicht. Bei starker Trockenheit im Sommer oder bei Pferden, die zeitweise in einer Box stehen, hat sich bei folgende Hufpflege bewährt: Matsch in die Hufsohle schmieren. Das gibt dem Huf Feuchtigkeit, ist zweckmäßiger und einfacher als ‚wässern’. Der Matsch schützt auch vor Mist, der sich sonst in die Hufe setzen würde. Und es ist völlig kostenlos.....Alternativ kann auch Ton verwendet werden (Reste).

    Schmieren, fetten etc ist mit guten Produkten vielleicht nicht schädlich, aber auf jeden Fall völlig unnötig. Wenn Hufe für Turnier, Show o.ä. schön sein sollen: Abwaschen, trocknen, mit halber Zwiebel drüber reiben! Macht schönen Glanz, Sand pappt nicht fest! Natürlich schadet es dem Huf nicht, wenn er wenige Male im Jahr für ein Turnier eingefettet wird.

    Man hört immer wieder, mal solle den Huf nicht mit harten Bürsten bearbeiten, dies würde die 'Glasurschicht' zerstören. Das ist völliger Unfug. Ob es eine Glasurschicht überhaupt gibt, ist umstritten, auf jeden Fall ist es kein dünner Überzug für das normale Horn, der oben am Kronrand rauswächst und leicht zerstört werden kann. Man kann den Huf ohne jeden Schaden ausgiebig von außen beraspeln, das Horn an den beraspelten Stellen ist nach wenigen Tagen genauso glatt wie das nicht beraspelte. Bürsten (sogar mit der Drahtbürste..) schadet dem Huf gar nicht... Der Huf trocknet selbstverständlich dann nicht aus.

    Was ist vom Einsatz von Hufhärter zu halten? Die Hufhärter, deren bekannteste Vertreter Keralit, Terrahipp und Durogel sind, bewirken auf chemischem Wege eine Stärkung des Hornes. Sie dürfen nur auf den Tragrand und die Sohle aufgetragen werden. Gammel wird sehr effektiv bekämpft (aber nur, wenn die Ursache gleichzeitig abgestellt wird), der Abrieb angeblich leicht verringert. (Ich habe es nicht systematisch getestet) Keralit und Terrahipp brauchen saubere und trockene Hufe, was die Anwendung recht aufwendig macht. Ich verwende inzwischen keinen Hufhärter mehr.
    Hufhärter sind ein 'Feintuning' für die Hufe, sie können unterstützen. Ob es bei dem speziellen Pferd einen positiven Effekt hat, muss man aufprobieren.

    Hufprobleme wegschmieren oder ölen?

    Funktioniert meiner Meinung nach nicht wirklich. Es gibt auch hier eine Vielzahl von teilweise sündhaft teuren Produkten, die die Heilung verschiedenster Hufprobleme ermöglichen sollen. Einige dieser Mittel mögen eine gute Unterstützung sein (z.B. bei der Bekämpfung von Strahlfäule, da tun es die 'billigen' Varianten aber auch) aber den Hauptbeitrag zur Heilung von Hufproblemen kommt von der Bearbeitung der Hufe und der Haltung. Bevor sie also viel Geld in Schmiermittel investieren: Befolgen sie die Tipps auf dieser Seite.

     
  3. Die Einstellung des Reiters

    Wer sein Pferd als Sportgerät sieht, was bei ‚Verschleiß’ einfach ausgetauscht wird, der wird diesen Text wahrscheinlich gar nicht lesen...

    Der Reiter eines Barhufpferdes muss bereit sein, sich über die Hufe mehr Gedanken machen als alle 8 Wochen den Schmied anzurufen. Barhufe benötigen häufige Pflege, Gedanken beim Reiten und ein gewisses 'Durchhaltevermögen' gegenüber möglichen "Anfeindungen".

    Der Reiter muss sich aber auch ein dickes Fell zulegen, gegen andere Reiter, Reitlehrer, Tierärzte und Schmiede, die meinen, jedes Pferd bräuchte Eisen.

    Wer kennt nicht die Stallkollegen oder Tierärzte, die bei einem Barhufer, der eine Lahmheit zeigt, sofort ‚Eisen drauf’ sagen? Auch wenn die Lahmheit überhaupt nicht mit dem Hufen zu tun hat? z.B. ein Rückenproblem ist?


Hierzu eine kleine Geschichte: Mein Pferd hatte sich wahrscheinlich durch einen Ausbruchsversuch aus der Koppel am Rücken verletzt. Er zeigte eine Lahmheit auf allen Beinen, ging langsam im Schritt oder Kreuzgalopp. Eine gerufene Tierärztin und Osteopatin meinte zuerst: ogott, geht der fühlig! Da müssten Eisen drauf. Ihre Untersuchung ergab dann mehrere Blockaden im Rücken, nach deren Behebung mein Pferd wieder bestens lief!

Oder Ratschläge von Reitlehrern, die meinen mit Eisen würde das Dressur- oder Gangpferd mehr Ausdruck zeigen....

Wenn man sich informiert hat sollte man die Meinungen auch von ‚Autoritäten’ also kritisch hinterfragen können! Also barhuf, aber was wenn ich mein Pferd mal mehr belaste?

z.B. ich möchte mit meinem Pferd einen Wanderritt in einer steinigen Gegend machen, oder mich möchte mal eine Distanz mitgehen, wo harter Boden ist...
Bei wirklichen gesunden Hufen und sinnvollem heranführen an die erhöhte Belastung ist oft überhaupt gar kein zusätzlicher Schutz notwendig. (Hufschuhe sollte man auf dem Wanderritt trotzdem zur Sicherheit mal mitnehmen)

Ansonsten kann man Hufschuhe einsetzen oder aber -bevorzugt wirklich nur für die Dauer der erhöhten Belastung- einen Beschlag anbringen, besser aus Plastik als Metall.


Das gesunde Barhufpferd- und Irrwege

Barhufbefürworter haben in einigen Fällen auch mit einem 'Hausgemachten' Problem zu kämpfen: Schlechte Erfahrungen mit dem Barhuflaufen, entweder am eigenen Pferd oder bei Bekannten und Stallkollegen.


Beispiele:

  • Dem Pferd wurden die Eisen abgenommen und es ausgeschnitten. Danach konnte es nicht mehr laufen. Die Situation verbesserte sich kaum, nach jedem ausschneiden war das Pferd wieder "platt".
  • Das Pferd geht dauerhaft fühlig, zählt jeden Stein. Schwung, Raumgriff und Bewegungsfreude gingen verloren. Dass ein Pferd jahrelang so rumschleicht, kann ja wohl nicht sein, daher wird es jetzt wieder beschlagen.
  • Das Pferd hatte schlimme Risse in den Hufen. Die verschwanden während der Barhufbearbeitung. Doch auch nach 1 Jahr konnte das Pferd barhuf nicht geritten werden, es war zu fühlig.
  • Nach der Barhufumstellung bekam das Pferd Hufgeschwüre, Lederhautentzüdungen usw. Ich habe es ein halbes Jahr probiert, es wurde nicht besser. Das war für mich inakzeptabel.

Diese typischen Erfahrungen und Probleme (sie wurden mir so oder so ähnlich berichtet) zeigen, dass auch Barhuf jede Menge schief laufen kann. Alle diese Probleme liegen nicht am Barhuflaufen an sich, sondern an einer falschen Hufbearbeitung (in einigen Fällen auch an unvernünftigen reiterlichen Anforderungen).
Da ich in letzter Zeit immer öfter von solchen Fällen höre, dieser Text. Leider sind hierzulande einige "invasive" Ausschneidetechniken modern, mit entsprechend negativen Folgen für die Pferde und für den Ruf des Barhuflaufens.

Im englischen wird für ein gutes (Barhuf)laufen der Begriff "Soundness" benutzt. Es bedeutet soviel wie "gesund, einwandfrei", bezeichnet aber auch ein fröhliches Barhuflaufen, die Abwesenheit von Fühligkeit. Genau diesen Zustand will man mit einem Barhufpferd erreichen, nämlich ein leistungsfähiges, gesundes Pferd, das gut und gerne läuft.

Leider wird dieser Zustand mit einigen Ausschneidetechniken in vielen Fällen nicht erreicht. Das Pferd bleibt dauerfühlig. Dieser Zustand ist unbefriedigend und schädlich für das Pferd.

Der häufigste Fehler bei Barhufbearbeitern ist das ausdünnen der lebenden, harten Sohle. Diese Ausschneidetechniken haben in sehr vielen schweren Fällen sehr spektakuläre Resultate (Rehe, Risse, Hufrolle...) jedoch läuft die Hufbearbeitung irgendwann gegen eine Wand. Die Hufe sehen eigentlich ganz ordentlich aus, jedoch läuft das Pferd nicht auf jedem Boden. In manchen Fällen findet sich der Besitzer damit ab "eben immer mit Hufschuhen zu reiten", in anderen wird das Pferd wieder beschlagen.

Bei anderen Hufbearbeitern und Schmieden ist es hauptsächlich ein nicht- Bearbeiten von verbogenen Wänden (schmerzhaft), ein ungleiches Ablaufen nicht korrigieren uvm.

Das kann man dadurch verhindern, indem man gewisse Grundregeln bei der Hufbearbeitung beachtet. Insbesondere Finger weg von der lebenden Sohle! 

Bild: Indiskutable Hufbearbeitung- Trachten wurden bis aufs Blut gekürzt, die Sohle stark ausgedünnt. Führt zu fühligem Laufen und zu einer Hufverformung (meist verbogene Zehe, Verlust der Sohlenwölbung). Für solche Bearbeitungstechniken (schon live gesehen, Pferd auf dem Foto kenne ich allerdings nicht persönlich) gibt es keine Entschuldigung. 


Bild: Ein weiteres Beispiel für indiskutable Hufbearbeitung. Finger weg von solchen Techniken!

Setzt man die Grundsätze der Hufbearbeitung, wie ich sie hier auf meiner Seite beschreibe um, wird ein gut laufendes Barhufpferd "Schotterpferd" der Erfolg sein. Der Weg dorthin ist für das Pferd kein jahrelanges eiern über harten Boden.
Wenn ein Pferd direkt nach Abnahme der Eisen nicht auf hartem Boden geritten werden kann, dann werden eben Hufschuhe angepasst, bis es das kann. Für ungewöhnliche Belastungen (z.B. Distanzritt) trägt das Pferd bei Bedarf Hufschuhe.

Ein Pferd muss sich an keinem Punkt der Barhufumstellung unwohl fühlen! (Bei schweren Hufproblemen wie Rehe wenigstens nicht schlechter als vorher)

Für viele eindrucksvolle Beispiele siehe: www.hoofrehab.com

Barhuf um jeden Preis?

Oft hört man Stimmen und Meinungen, dass beim Barhuflaufen Tierquälerei betrieben werde. Barhuf um jeden Preis?

Meiner Meinung nach ist dies differenziert zu betrachten. Es steht fest, dass "Barhuflaufen" das langfristig gesündeste für das Pferd ist, aber zu welchem Preis?

Ideal ist ein freudig laufendes, gesundes Barhufpferd. Das gilt für alle Untergründe.
Ein Pferd passt natürlich seine Geschwindigkeit an die Bodenverhältnisse an, genau wie wir Menschen das auch tun.
z.B. hat ein Pferd Recht, wenn es auf "Bahngleisschotter" oder sehr uneben hart gefrorenem Boden langsamer und umsichtiger läuft, denn sonst besteht die Gefahr sich zu verletzen. Aber ein gesundes Barhufpferd geht nicht fühlig/einknickend, wenn ein Stein auf dem Weg liegt.

Bild: Mit schlechtem Boden ist so etwas gemeint: Dicker (ca. 4-5 cm), frisch aufgeschütteter, spitzer Schotter.

Doch durch die verbreitete, schlechte Hufpflege- und Beschlag sind leider die meisten Pferde nicht mit gesunden Hufen ausgestattet. Vor allem eisenbeschlagene Hufe sind oft verändert und weichen deutlich von einer gesunden Form ab. Nicht gesund heißt "krank", was so selbstverständlich klingt, wird jedoch kaum so wahrgenommen. Abhilfe wird hier durch einen Prozess der "Behandlung" und "Heilung" geschaffen.

Der Ausgangspunkt, an dem viele Besitzer stehen, ist also ein Pferd mit kranken Hufen. Manchmal macht sich die "Krankheit" direkt bemerkbar (Risse, Hufgeschwüre, Lahmheiten, Strahlkrebs- und Fäule) , manchmal (noch) nicht. Das Eisen wirkt bei solchen Hufen als Schmerzmittel und bekämpft höchstens die Symptome.

Werden bei kranken Hufen die Eisen abgenommen, und die Hufe bearbeitet, kann eine Heilung verschiedenster Hufprobleme erreicht werden. Dadurch, dass die Hufe verändert sind, sind sie mehr oder weniger schmerzhaft für das Pferd, was sich allem voran in Fühligkeit - vor allem natürlich auf hartem Boden- äußert. Hier setzt auch die eigentliche Frage an: Wie viel ist dem Pferd hier zumutbar, im Hinblick auf das Ziel "Hufgesundheit"?. Wo ist die Grenze der Unzumutbarkeit erreicht?
Meiner Meinung nach sollte dem Pferd so schnell wie möglich ein komfortables laufen ermöglicht werden, denn nur ein Pferd, das sich bewegt, kann sich gesunde Hufe wachsen lassen. Auch in Problemfällen ist dies möglich, bzw. zumindest nicht schlechter als mit Beschlag. Dies kann durch das zur Verfügung stellen eines speziellen Bodens oder das Tragen von Hufschuhen auch im Auslauf geschehen.

Nun verlaufen die meisten Barhufumstellungen völlig problemlos und solche Abwägungen sind gar nicht nötig, nur ein wenig Reitverzicht in der ersten Zeit der Umstellung.

Bis hierhin ging ich von einer optimalen Hufbearbeitung aus, die eine Verbesserung und Heilung der Hufsituation erreichen kann. Bei schlechter Hufbearbeitung ist dagegen die Grenze der Unzumutbarkeit für das Pferd recht schnell erreicht. Diese schlechte Hufbearbeitung kann entweder darin bestehen, dem Pferd direkt Schmerzen zuzufügen, z.B. durch extremes ausdünnen der Sohle oder extreme, plötzliche Stellungsänderungen, die direkt und indirekt (Lederhautentzündungen, (Belastungs-)Rehe) schmerzhaft sind, oder durch eine Hufbearbeitung, die einfach keine Verbesserung der Hufsituation (z.B Zwanghuf) erreicht und damit der Huf weiterhin schmerzhaft bleibt.

Weiterhin kann natürlich der Besitzer dem Pferd die Situation unzumutbar gestalten, durch zu hohe Belastung oder durch schlechte Umgebungsbedigungen.

Mit einer optimalen Hufbearbeitung kann also auch in Problemfällen das Ziel "Hufgesundheit" erreicht werden, wenn Umgebung und Einstellung des Besitzers stimmen. Ist eines dieser Ziele nicht erfüllt, wird es recht schnell unzumutbar für das Pferd.

Sind diese Bedingungen nicht gegeben, ist es sinnvoller (wenn auch nicht optimal) für das Pferd, mit Beschlag laufen zu können, auch wenn es langfristig Probleme geben kann, als wenn es Barhuf bei jedem Schritt Schmerzen hat.

Daneben muss man beachten, dass auch und gerade durch (schlechten) Beschlag oder zu seltene Bearbeitung dem Pferd vermeidbare und unnötige Schäden zugefügt werden.

Ebenso ist ein Hufschutz sinnvoll, wenn das Pferd sehr hohen Belastungen ausgesetzt ist, die aber im Freizeit/Breitensportbereich in der Regel nicht erreicht werden. Die Probleme Hufform und Abrieb sind nicht entkoppelt, sondern zwei Seiten der gleichem Medaille. Ein normaler, gesunder Huf hält übliches Freizeitreiten- auch in härterem Gelände- aus. Aber wichtig ist, dass der Reiter immer auf sein Pferd hört, das Maßstab des Handelns ist . Die Grenze der Barhufbelastbarkeit ist selbstverständlich individuell verschieden.

Zu diesen grundsätzlichen Gedanken noch ein paar Beispiele aus der Praxis:

  • Mein Pferd Alex dankt mir die Barhufumstellung täglich durch freudiges laufen und Gesundheit. Seine Hufe halten tägliches Freizeitreiten problemlos aus.
  • Ein anderes Pferd hat, weil die Hufbearbeitung nicht stimmt, eine Hufform, die auf der Weide keine Probleme macht, wohl aber, wenn das Pferd belastet wird. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Die Hufbearbeitung ändern oder Beschlag. Letzteres ist bequemer, ersteres besser für Pferd.
  • Einem Pferd wurden die Hufe so zubereitet, dass Lederhautendzündungen, Hufgeschwüre provoziert wurden, angeblich notwendig auf dem Weg zu gesunden Hufen. Hier ein deutliches nein, das ist nicht richtig und in der Tat werden dem Pferd hier unnötige Schmerzen zugefügt.
  • Durch die Ungeduld der Besitzerin wurde ein frisch auf Barhuf umgestelltes Pferd viel zu stark belastet, was Lahmheit zur Folge hatte. Dies ist ein typisches Beispiel für mangelnde Bereitschaft des Besitzers, Rücksicht zu nehmen. Aus dem Munde solcher Leute kommen dann meist die härtesten Vorwürfe gegen "Barhufreiter".


Gangverbesserung durch Eisen?

Oft werden Dressur- oder Gangpferde beschlagen, des öfteren mit gezielter Stellungsmanipulation (flacher/steiler) und die Gänge zu verbessern.

Durch das hohe Gewicht der Eisen ändert sich in der Tat der Gang des Pferdes. Den gewünschten Effekt kann man aber nicht immer dauerhaft erzielen. Sobald die Eisen wieder ab sind, verschwindet der gewünschte Effekt (z.B. Unterdrückung von Pass beim Gangpferd) auch wieder.

Wo schon die Auswirkungen eines normalen Beschlages auf die Hufgesundheit erschreckend destruktiv sind, so sind die Auswirkungen von "Manipulationen" noch um einiges schlimmer.
So kann man bei einem Pferd mit zum Pass verschobenen Tölt die Hufe so manipulieren, dass die Vorderhufe später abhufen und damit der Tölt erreicht wird. Dabei werden schwere Beschläge verwendet und gerne auch noch absichtlich Schnabelhufe herangezüchtet. Beim Pferd mit zum Trab verschobenen Tölt wird genau das Umgekehrte versucht- hier werden die Hinterhufe manipuliert, nur dass hier nur noch größere Gewichte überhaupt eine Wirkung zeigen.
Gut- das Pferd mag nun tölten, aber um den Preis, seine Hufe völlig zu deformieren und auf lange Sicht schwere Schäden an seinem Bewegungapparat zu erzeugen. So etwas ist aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigen und verstößt gegen die fundamentalste Ethik gegenüber dem Partner Pferd.

Hier zwei Zitate aus den Ethischen Grundsätzen der FN:

"Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen."

"Die Nutzung des Pferdes im Leistungs- sowie im allgemeinen Reit-, Fahr- und Voltigiersport muß sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muß geahndet werden."

Sollten diese Grundsätze nicht etwas ernster genommen werden? (Nicht nur im Gangpferdesport!)

Auch beim Gangpferd gilt, dass eine durchdachte und pferdegerechte Gymnastizierung im Vordergrund stehen sollte. Hiermit kann eine "ehrliche" Verbesserung der Gänge erreicht werden. Wenn es nötig sein sollte, können z.B. Gewichtsglocken oä. für kurze Zeit im Training verwendet werden.
Wäre es nicht ehrlicher, nur mit unmanipulierten Pferden auf Wettbewerben aufzutreten?

Zusätzlich wird oft argumentiert, mit speziellen Beschlägen "Gangfehler" auszugleichen, um streichen oder ähnliches zu verhindern. In Wirklichkeit ist eher das Gegenteil der Fall. Barhuf und mit einer korrekten Hufform ist das Pferd am besten in der Lage, seine Beine zu sortieren.


Rutschgefahr oder: Sind Stollen notwendig?

Ich wurde letztens gefragt, wohin Barhufreiter denn die Stollen schrauben...

Stollen werden heutzutage in Kombination mit Hufeisen verbreitet benutzt. Bei vielen Kutschpferden sind feste Stollen an den Hufeisen Standard, ebenso an den Hufen von vielen Freizeitpferden.

Wer um den schädigenden Einfluss fester Stollen weiß, verwendet oft Schraubstollen. Die allermeisten Spring- und viele Geländereiter halten sie für unverzichtbar.

Um die Notwendigkeit von Stollen zu beleuchten, muss man das Laufverhalten eines Eisenbeschlages kennen. Beobachten Sie ein eisenbeschlagenes Pferd, das auf Asphalt läuft. Es ist unschwer zu sehen, dass es bei jedem Schritt ein Stückchen gleitet.
Wir können diesem Pferd nachfühlen, wenn wir mit glatten Schuhen über glatte Fließen laufen. Auch wenn unsere Gangmechanik sich unterscheidet, finden sie dieses Gleiten angenehm? Laufen sie noch natürlich und locker? Würden sie sich trauen, um eine Kurve zu rennen? Sicher nicht.

Für das Pferd als Lauf- und Fluchttier ist ein sicherer Grip auf dem Boden sehr viel wichtiger als für uns Menschen. Warum sollte es also "gesund" oder "gelenkschonend" sein, bei jedem Schritt zu gleiten, wie oft behauptet wird?

Um es deutlich zu sagen: Der "Schlittschuhgang" mit blanken Eisen ist unnatürlich, schädlich für die Pferdegesundheit und auch für die des Reiters, wenn das Pferd stürzt.

Auch auf anderen Untergründen, z.B. Wiesen, Holzbrücken, Fels und Matsch bietet das Eisen wenig Halt. Das Pferd spürt wegen des starren Beschlages den Boden nicht. Um trotz dieser schlechten Eigenschaften das Eisen nutzen zu können, wurden Stollen entwickelt. Verschiedene Typen -jeweils an der Untergrund angepasst- bieten in der Tat sehr guten Halt.

Allerdings wird die Trittsicherheit durch Stollen teuer bezahlt. Auf Asphalt wird dadurch die Hufstellung massiv steiler, die Trachten werden überlastet. Gerade für Kutschpferde, die oft viel auf hartem Boden laufen, ist dies fatal für die Gelenke und Hufe. Die Hufform wird unter diesem Beschlag leiden, durch die zu steile Stellung kommt das Hufbein nicht mehr korrekt in der Gelenkfläche zu liegen.

Auf weichem Boden eingesetzt, belasten die Stollen stark die Gelenke, der Huf ist wesentlich fester am Boden fixiert, als dies natürlich wäre. Zusätzlich besteht eine enorme Verletzungsgefahr.

Die Verletzungsgefahr ist auch der Grund, warum feste Stollen an Pferdehufen grundsätzlich nichts zu suchen haben- wenn dann, Schraubstollen nur bei Bedarf.

Im Gegensatz dazu nun das Barhufpferd:

Es gleitet nicht auf Asphalt, seine Hufe haben ein von der Natur hervorragend an seinen Zweck angepasstes Profil: Der weiche, elastische Strahl als Stoßdämpfung und für guten Grip, die Strahlfurchen mit den Eckstreben als Rutschbremse für weichen Boden, das ansteigende Sohlengewölbe... und zu allem Überfluss passt sich der Huf in seiner Härte und Form(!) auch noch dem Untergrund an! (feucht oder trocken).
Es spürt mit seinen Hufen den Untergrund, kann die Situation dementsprechend einschätzen.

Auf verschiedensten Böden hat das Pferd mit seinen Barhufen guten Halt - wie sonst hätten auch wildlebende Pferde vor Gefahren fliehen können?

Stollen sind also nur nötig, um die unnatürliche Rutschigkeit des Hufeisens auszugleichen. Ein Barhuf ist oft sogar einem beschlagenem Pferd mit Stollen überlegen.

Mein Ausreitgelände hat einige schwierige Bodenverhältnisse zu bieten, von unliebsamen Überraschungen ganz abgesehen.

Alex läuft sicher den steilen, vom letzten starken Regen ausgewaschenen und mit losen Steinen übersäten Hang hinab, er galoppiert sicher um die Kurve des feuchten Wiesenweges, springt von der matschigen Uferböschung auf die andere Seite des Baches oder überquert die Holzbrücke...

Letztens galoppierte ich im flottem Tempo einen wunderschönen Wiesenweg in einem Tal- ideale Bodenverhältnisse. Alex fällt plötzlich in den Schritt, streckt den Hals und wird sehr vorsichtig.... Nicht sichtbar unter dem Gras floss Wasser über den Weg. Der Boden war urplötzlich tief, glitschig und voller loser, großer Steine. Im vollen Galopp durch dieses Loch hätte garantiert mit einem Sturz geendet. Zum Glück konnte Alex mit seinem Hufen den sich verändernden Boden spüren und war rechtzeitig gewarnt.

Man kann also zu Recht viel Vertrauen in die Trittsicherheit eines Barhufers setzen. Wer darüber hinaus vernünftig reitet und sein Pferd mitdenken lässt, wird auch in schwierigem Gelände viel Freude haben.

Bild: Feuchte Steine und Eisen- eine gefährliche Kombination- und kein Problem für das Barhufpferd (hier Alex auf einem Wanderritt)

Sicher sind auch bei freizeit- oder breitensportlichem Springen keine Eisen mit Stollen nötig. Der Barhuf wird dem Pferd viel bessere Dienste leisten. Und im Leistungssport: Wäre es nicht sinnvoller, sehr gute Bodenverhältnisse zu bieten, statt Gesundheitsschäden am Pferd durch Beschläge und Stollen in Kauf zu nehmen? Auch heute sind Barhufpferde schon sehr erfolgreich z.B. in der Vielseitigkeit unterwegs (siehe www.thehorseshoof.com)

Auch für das Fahrpferd ist es von großem Vorteil, auf Eisen mit Stollen zu verzichten. Gefährlich wird es oft, wenn das Fahrpferd einen steilen Berg hinauf muss, und ihm dabei die nun hauptsächlich an den Zehen benutzten Hufeisen keinen Halt mehr bieten. Wer freizeitmäßig fährt und die Möglichkeit hat, auch Wege mit gutem Boden zu nutzen, wird in der Regel wie beim Reiten keinen Hufschutz benötigen. Wenn sehr viel gefahren wird, sind Hufschuhe oder (ausnahmsweise) zeitweiser Kunststoffbeschlag eine gute Alternative. Eine Bekannte möchte sich für ihr Fahr- Shetty Hufschuhe bauen, ich werde natürlich berichten, wie sich das bewährt. Da Hufschuhe von ihrem Laufverhalten her eher dem Barhuf ähneln, kann man auch hier in der Regel auf Stollen verzichten und die gute Stoßdämpfung voll ausnutzen.

Bild: gesund, trittsicher, leistungsfähig. Zwei Barhufpferde unterwegs im Gelände.


Herdenhaltung und Verletzungsgefahr

Erfreulicherweise setzt sich die artgerechte Haltung mit Auslauf in der Herde zunehmend durch. Bei Pferden gehört es zum sozialen Verhalten, z.B. bei Rangstreitigkeiten, Spielen ihre Hufe einzusetzen. Dies geschieht nicht in der Absicht, den Konkurrenten schwer zu verletzen. Leider weiß das Pferd nicht, dass es mit Eisen beschlagen ist, und tritt immer noch genauso, wie barhuf. Daher resultieren die meisten Verletzungen. Selbstverständlich kann auch ein Barhufer, wenn er unglücklich trifft, schwere Verletzungen verursachen. Allerdings erhöhen Eisen diese Gefahr enorm. Dies wird - gerade von Besitzern beschlagener Pferde- oft als Panikmache abgetan, ist es aber nicht, wie die folgenden Argumente klar machen sollten:

  • Ein Hufeisen wiegt in etwas soviel wie die unbeschlagene Hornkapsel. Durch das höhere Gewicht erhöht sich die kinetische Energie des Tritts.
  • Das Hufeisen ist starr und kann in keinster Weise nachgeben. Ein Barhuf ist zwar ebenfalls hart, wandelt durch die Elastizität aber einen Teil der Aufprallenergie in Verformung um. Die Auswirkungen werden so gemildert.
  • Das Eisen hat scharfe Kanten, evtl. rausstehende Nägel oder gar Stifte/Stollen. Das punktuelle Auftreffen lässt die Haut leicht aufplatzen. Stollen und ähnliches verursachen tiefe Risse. Dahingegen trifft ein Barhuf flächig auf.
  • Ein Barhufpferd hat Gefühl in seinen Hufen, und wird in der Regel so fest treten, dass der Gegner eine "Warnung" erhält, jedoch keine ernsthafte Verletzung. Dies kommt übrigens auch dem Menschen zu Gute, wenn das Pferd z.B. nach einer Fliege schlägt und dabei aus Versehen den Menschen trifft. Letztens ist mir und Alex ein solches Missgeschick passiert, dankenswerterweise stoppte er sofort die Bewegung, als er mich traf, ich trug nichtmal einen blauen Fleck davon! Wie oft sind ähnliche Situationen mit beschlagenem Pferd in meiner Reiterkarriere sehr schmerzhaft ausgegangen.

Die Erfahrung zeigt, dass Eisen schwerere Verletzungen als Barhufe verursachen. Fragen sie mal ihren Tierarzt!

Konsequenz sollte sein, dass in Herdenhaltung befindliche Pferde möglichst barhuf gehen sollten. Kunststoffbeschlag ist ebenfalls nur ein gering erhöhtes Risiko. Gerade bei Hengst/Wallachgruppen werden beim Spielen auch gerne die Vorderhufe benutzt, daher sollte auch dort möglichst auf den Eisenbeschlag verzichtet werden. Stollen und Stifte haben fest angebracht am Pferdehuf eh nichts verloren, aber in der Herdenhaltung sind sie völlig abzulehnen. Übrigens: Ummantelte Eisen wie die Ölöv sind gefährlich, sobald der Plastiküberzug durchgelaufen oder sehr dünn ist, daher ist von solchen Beschlägen in Herdenhaltung auch abzusehen.
Diesbezügliche Vorschriften in Pensionsställen sind sinnvoll und gerechtfertigt, da die Eisen eines Pferdes die gesamte restliche Herde betreffen. Da die meisten Pferde aus Bequemlichkeit/Unwissenheit beschlagen sind, kann ein wenig Druck seitens der Stallbetreiber nicht schaden. Weniger Verletzungen sind gut für die Pferde, und gut für den Frieden im Stall.
Was ist nun mit Pferden deren Besitzer, ob notwendig oder nicht, Eisenbeschlag wünschen? Ganz einfach: Man stellt solche Pferde zusammen, mit lauter Besitzern, die die gleiche Einstellung haben, dass der Eisenbeschlag keine erhöhte Gefahr darstellt... ;-) Ernsthaft: Beschlagene Pferde werden möglichst in kleinen Gruppen, die sich optimal verstehen, auf großer Fläche gehalten. Natürlich gilt auch für Barhuf- Herden, dass die Gruppe intelligent zusammengestellt sein sollte, und dass genug Platz vorhanden sein sollte, dies vermeidet viele Verletzungen. Die Hufe aller barhufigen Pferde sollten regelmäßig ausgeschnitten und berundet werden, um verletzungsträchtige scharfe Kanten zu vermeiden. Meiner Meinung nach setzt man sein Pferd auf jedem Fall einem unnötigen Verletzungsrisiko aus, stellt man es mit beschlagenen Pferden zusammen.


Was tun mit Stallkollegen?

Gerade wenn der Besitzer eines Barhufpferdes oder sogar gerade auf Barhuf umgestellten Pferdes aus "FN- Turnier- Kreisen" stammt, wird er des Öfteren mit massivem Unverständnis seiner Stallkollegen rechnen müssen. Da hilft meiner Erfahrung nach nur eines "aussitzen". Wenn die Sache dann Erfolg hat, haben andere dann oft plötzlich doch Interesse, obwohl man ein Jahr vorher noch "total durchgeknall"’ war. In vielen Offenställen, gerade wenn es Haltergemeinschaften sind, findet man meiner Erfahrung nach öfter Verständnis, in vielen solchen Ställen ist der Eisenbeschlag aufgrund der Verletzungsgefahr sowieso verboten.


Fazit:

Ein Freizeitpferd kann in der Regel barhuf geritten werden. Leider werden hierzulande extrem viele Pferde unnötig beschlagen. Oft wird erst eine Umstellung auf Barhuf bedacht, wenn wirklich Probleme aufgetreten sind, z.B. die Hufe nicht mehr zu nageln sind, das Pferd lahmt oder massive Hufveränderungen vorliegen.... Je früher man jedoch eingreift, desto einfacher und problemloser ist die Korrektur. Am besten fängt eine kompetente Hufbetreuung mit guter Hufbetreuung und artgerechter Aufzucht des (sorgfältig gezüchteten) Jungpferdes an ...

Die beste Vorsorge für ein auf Dauer gesundes und reitbares Pferd ist Hufgesundheit und Barhuflaufen. So ziemlich jeder Reiter möchte sein Pferd "nutzen", sprich es reiten und nicht ständig nur Tierarztrechnungen begleichen oder Lahmheiten auskurieren. Das "tückische" an Eisen ist eben, dass ihre negativen Auswirkungen (rutschen und Verletzungsgefahr mal ausgenommen) nicht sofort sichtbar werden. Die Probleme kommen schleichend und oft nach Jahren. Hinzu kommt, dass erste Anzeichen oft nicht erkannt bzw. falsch interpretiert werden und erst umgedacht wird, wenn es schon "5 vor 12" ist. Für den Reiter ist der Beschlag bequem, aber auf die Dauer macht Beschlag in der Regel nur Ärger.

Beschlag aller Art ist schlicht und einfach keine gute Idee. Es ist Zeit, umzudenken.

Lesen Sie im nächsten Newsletter:

Gründe für Beschlag? -
Übliche Antworten kritisch betrachtet.

 

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