Alles zum Thema Barhuf

5. Folge: Einfluss der Haltung und der Fütterung auf die Hufe

Unbekannt - Apr 19, 2009: Haltung und Fütterung haben direkten Einfluss auf die Hufe.

Der nachstehende Artikel wurde uns freundlicherweise von Frau Tina Gottwald aus Waldems zur Verfügung gestellt. Wir danken Ihr recht herzlich dafür.

Haltung und Fütterung

Eine möglichst artgerechte Fütterung und Haltung haben einen sehr großen Einfluss auf die Gesunderhaltung des Pferdes, auch und besonders auf seine Hufe.

Welche Bedürfnisse hat ein Pferd?

Jedes Pferd ist ein Herden- und Lauftier, das sich natürlicherweise von strukturreichem, eher energiearmem Futter ernährt. Pferde sind Meister im verwerten von sehr 'wertlosem' Futter, siehe Lebensräume heutiger verwilderter Hauspferde.

 

 

Beide Bilder oben: Mustangs in den USA- zeitiges Frühjahr. Pferde in bester körperlicher Verfassung bei offensichtlich sehr spärlicher Vegetation.
(Bilder m. freundlicher Genehmigung von Pete Ramey)


Die Herde bietet ihm Schutz vor Gefahren, seine Ernährungsgewohnheiten zwingen es dazu, täglich lange Strecken zurückzulegen (es wird von 20 bis 40 km berichtet) um Futter und Wasser zu finden. Sie leben ganzjährig im freien und sind jeder Witterung ausgesetzt, wobei die Pferde natürlichen Schatten- und Regenschutz wie Bäume oder Felsen selbstverständlich aufsuchen.
Für dieses Leben hat die Natur das Pferd optimiert -mit einem leistungsfähigen Bewegungsapparat und viel Ausdauer, widerstandfähigen Hufen, Sozialverhalten usw.

Niemand kann einem Pferd in Gefangenschaft eine wirklich natürliche Haltung bieten- jedoch müssen die Grundbedürfnisse des Pferdes erfüllt werden, sonst leidet die körperliche oder seelische Gesundheit des Pferdes. Dies ist nicht nur auf eine Weise möglich....

Das Lauf- und Herdentier Pferd allein in einem 3x3m großen Käfig (Box) zu halten, möglichst noch eingedeckt und bandagiert ist nicht akzeptabel - andere 'Bereiche' des Pferdes leiden zuerst, aber eben auch die Hufe.

Ein absolutes Mindestmaß (was ich persönlich aber weniger mag) ist ganztägiger Koppelgang bei Boxenhaltung nachts. (Pferde kennen keinen Tag- Nacht Rhythmus wie der Mensch und stehen in fast jedem Boxenstall 14-16 Stunden im Stall, im Winter meist wesentlich länger).
Leider gibt es immer noch Ställe, wo die Pferde im Winter 23 h in der Box stehen. Ein (kleiner) Paddock an der Box führt oft dazu, das zumindest im Winter kein zusätzlicher Auslauf mehr gewährt wird. Tun sie ihrem Pferd eine solche Haltung nicht an, das gilt ausdrücklich auch für Hengste.
Besser sind verschiedene Lösungen der Gruppenhaltung, in Lauf- und Offenställen sowie Weiden.


'Klassische' Boxenhaltung entspricht nicht den Grundbedürfnissen des Pferdes.

 


Besser: Einfache, aber pferdegerechte Offenstallhaltung im tiefsten Winter. Das Pferd benötigt Herdenleben, Klimareize, häufiges Raufutterangebot und Bewegung. (Der Schimmel im Vordergrund ist viel zu fett!)

Herdenleben

Jedes(!) Pferd gehört in eine Herde. Eine Einzelhaltung ist außer für kurze Zeiträume z.B. Reitkurs, Wanderritt, Turniere... nicht zu akzeptieren.

Idealerweise ist jede Herde 24 Stunden zusammen- so bildet sich am sichersten ein festes soziales Gefüge. Boxenhaltung mit tagsüber Koppelgang ist ganz sicher keine ideale Pferdehaltung sondern höchstens eine Notlösung. Im einführenden Teil dieses Artikels verwendete ich pauschal den Begriff 'Herde'. Viele Reiter stellen sich unter eine Herde vielleicht eine riesige Gruppe mit z.B. mehr als 30 Tieren vor, die ständig zusammenbleibt. Doch ein genauerer Blick auf die Lebensweise freilebender Pferde lohnt. Wie zahlreiche Beobachtungen zeigen, ist die oben genannte landläufige Vorstellung vom Herdenleben des freilebenden Pferdes falsch. Tatsächlich leben Pferde eher in kleineren Familienverbänden, größere Gruppen bilden sich in der Regel nur vorübergehend bei Gefahren oder z.B. auf besonders guten Weideflächen. Nur sehr erfahrene Hengste können mehr als eine oder 2 Stuten in ihrer Herde halten. Typisch werden z.B. ein Hengst und z.B. zwei Stuten beobachtet, dazu Fohlen oder Jährlinge. Zusätzlich sammeln sich Grüppchen von jüngeren Hengsten, die noch keine Stute 'erobern' konnten.

Die Herdenzusammenstellungen sind durchaus wechselnd, gerade die Junghengstverbünde sind eher lose. Es gibt keine völlig zementierten Regeln , es kommt sogar vor, dass zwei Hengste in einer Herde zu finden sind. Zeitweise wandern einzelne Pferde auch durchaus einmal alleine umher. Für unsere Hauspferde ist eine sorgfältige Zusammenstellung der Gruppen sinnvoll, wobei kleinere Gruppen zu bevorzugen sind, es sei denn, es steht sehr viel Platz zur Verfügung. Bei der Zusammenstellung der Herden ist auf ähnliche Ansprüche der Pferde und gegenseitige Sympathie zu achten, damit ein harmonisches Pferdeleben entsteht.
Eine Trennung in weibliche und männliche Herden kann- gerade bei größeren Herden- sinnvoll sein. Stutenherden sind meist ruhiger mit festerer Hierarchie, Wallach und Hengstherden verspielter. Apropos Hengste: Auch ein Hengst bleibt ein Pferd und gehört in eine Herde. Hengste in Einzelhaltung leiden physisch und psychisch und werden nicht selten gefährlich im Umgang/beim Reiten. Hengste, die wirklich sehr schwierig im Umgang sind, sind äußerst selten. Ansonsten benötigt ein Hengst eine besonders konsequente Erziehung und eben eine artgerechte Haltung, dann wird es in der Regel auch keinerlei Probleme mit ihm geben. Wenn sie einen Hengst besitzen und ihm keine Herdenhaltung ermöglichen können, lassen sie ihn lieber legen bevor sie ihn alleine einsperren!


'Nasenkontakt über den Zaun' ist keine Herdenhaltung. Pferde nachts allein in (Paddock)boxen zu halten und tagsüber alleine auf kleine Koppeln zu stellen ist in keinster Weise eine akzeptable Haltung.

Viele sorgen sich um die Verletzungsgefahr. Meine Erfahrung ist, dass die Gefahr einer Verletzung in der Herde extrem überschätzt wird. Wichtig ist ausreichend Platz, eine vernünftige Herdenzusammenstellung (siehe oben) und dass die Pferde barhuf sind. Es gibt in der Regel keine wilden Prügeleien. Kleinere Bisse und Macken sind normal -je nach Pferdetyp und kein Grund zu Besorgnis. Pferde, die eingepackt und vereinzelt werden, verletzen sich 'Notfalls' auch in der Box. Eine hohe Verletzungsgefahr besteht, wenn ein 'geladenes' Pferd ohne Aufwärmphase von der Box auf die Koppel kommt und dort eine wilde Buckelei aufführt.
Eine nicht artgerechte Haltung (z.B. überwiegende Einzel- Boxen Haltung) führt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Krankheiten oder gar irreversiblen Schäden am Pferd und damit erst recht zu einer stark verkürzten 'Nutzung' des Pferdes.

Ganz besonders wichtig ist eine intakte Herde für Fohlen und Jungpferde. Ideal ist eine Herde gemischten Alters mit mehreren Jungpferden ähnlichen Alters. Die erwachsenen Pferde sorgen für die Erziehung, die Jungpferde können miteinander spielen. Reine Jungpferdeherden sind ungünstig, da den jungen Pferden ein Pferd fehlt, das Ihnen Grenzen aufzeigt. Ein Jungpferd ist in aller Regel damit überfordert, eine Herde zu führen.

Stall und Herdenzusammenstellung müssen so sein, dass jedes Pferd in Ruhe fressen kann (ausreichend Fressplätze) sowie schlafen/ruhen. Für das Pferd ungesunder Stress entsteht bei zu vielen Pferden auf zu kleiner Fläche, ungünstigem Stalldesign (z.B. keine Raumteiler, zu kleine Liegefläche). Auch das rangniedrigste Pferd sollte den Witterungschutz bzw. eine Liegefläche betreten dürfen!
 

Bewegung und Untergrund

Je mehr Bewegung ein Pferd hat, desto gesünder (auch für die Hufe!). Da eine Haltung in Obhut des Menschen in aller Regel auf einer kleinen Fläche (im Vergleich zum wildlebenden Pferd) auskommen muss, sollte die Haltung einen Anreiz zur Bewegung bieten. Dies kann z.B. dadurch erreicht werden, dass zwischen Witterungsschutz, Futter und Wasser eine möglichst lange Strecke zurückzulegen ist. Bei kleineren Herden kann man sehr einfach 'Laufwege' anlegen, bei großen Herden sind mehrere Ausläufe und Futterstationen sinnvoll. Längliche Koppeln und Ausläufe sind für die Pferde günstiger als quadratische- auch wenn man so mehr Zaunlänge hat.

 

Vereinfachte Skizzen für eine günstige Stallanlage links und eine einfallslose rechts. Der Platzbedarf ist der selbe, ein Umbau vergleichsweise einfach. Im linken Stall werden sie Pferde den gesamten Paddock nutzen, auch besteht ein größerer Anreiz/Möglichkeit mal einen flotten Galopp einzulegen. Im rechten werden die Pferde bevorzugt im unteren linken Eck rumstehen...

Es gibt viele Möglichkeiten, seinen Pferden eine vielfältige und anregende Umgebung zu gestalten. Seien sie kreativ! Obige Skizzen sollen nur das Prinzip verdeutlichen. Eine einfallsreichere Stallplanung ist kaum oder gar nicht aufwendiger- nur 'unüblich'.

Mein Pferd lebt mit seiner Herde in einem 'Racetrack'- Paddock. Die Pferde fühlen sich wohl und bewegen sich sehr viel, in allen Gangarten.

Untergründe
Pferde brauchen den Anreiz verschiedener und eher harter als zu weicher Böden, um gesunde Hufe zu bekommen oder diese zu erhalten.
Viel Bewegung trainiert die Hufe enorm.

  • ein Betonauslauf als einzige Bewegungsmöglichkeit für die Pferde ist ungeeignet. Hingegen sind Rasengittersteine/Beton als Teilbefestigung ideal.
  • Hackschnitzel verwandeln sich leider schnell in bodenlosen Matsch- besonders in feuchten Lagen. Zudem ist ein solcher Paddockbelag nach einiger Zeit immer äußerst unhygienisch und schadet den Hufen massiv.
  • Ebenfalls bewährt haben sich in unserem Stall und bei Bekannten Paddockplatten (TTE u.a.).
  • tiefe Sandpaddocks als alleinige Bewegungsmöglichkeit bieten zuwenig Bodengegendruck- die Hufe werden zu wenig gekräftigt.
  • Vorsieb- aus diesem Material sind viele Waldwege gebaut- ist ein Nebenprodukt der Schotterproduktion. Es besteht aus verschieden großen und kleinen Anteilen. Es bildet eine feste Oberfläche und ist ein guter Paddockboden.
  • Schön ist auch runder Kies in einem Teil des Auslaufes. (etwa Erbsengroß)
  • Etwas Schotter, z.B. vor der Tränke schadet auch nicht
  • Naturboden hat bei Trockenheit je nach Region eine gute Konsistenz, wird im Winter aber matschig. Sind Teile des Auslaufes matschig, schadet dies nicht. Matsch muss sauber abgesammelt werden- reine Matschausläufe sind nicht pferdegerecht. Matsch sollte sich immer in Grenzen halten- knietiefer Morast ist nicht pferdegerecht und wird von Pferden gemieden, falls die Möglichkeit besteht.

Gerade bei kleinere Ställen wird es nicht möglich sein, den gesamten Paddock zu befestigen, dies ist aber auch gar nicht nötig. Ideal sind z.B. 'Wege' im Paddock aus Betonplatten, eine Fläche aus Vorsieb, ein Platz zum wälzen mit Sand usw.! Im Sommer reicht ein unbefestigter Auslauf (je nach Region) aus, falls die Fläche nicht stark sumpfig ist oder ungewöhnlich starker Regen fällt.

Einstreu: Die meiner Meinung nach beste Einstreu ist keine Einstreu. Dies ist möglich, wenn den Pferden eine Liegefläche mit weichen Gummimatten angeboten wird. Dies spart zum einen Arbeit, zum zweiten hält es (eine ausreichend große Fläche vorausgesetzt) Hufe und Mist auseinander. Zusätzlich muss eine weiche Fläche (z.B. Sand, der regelmäßig gereinigt wird) zum pinkeln angeboten werden. Jede Einstreu wird von Pferden bevorzugt als 'Klo' und eben als Aufenthaltsbereich genutzt, was zum stehen im Mist führt, was eine nachteilige Wirkung auf die Hufe hat.
Wenn eingestreut wird, sollte so häufig wie vertretbar gemistet werden und keinesfalls eine Matratzenstreu angelegt werden. Letztere ist immer unhygienisch, schädlich für Hufe, Gelenke und Lungen.

Fütterung

Das Grundfutter eines jeden Pferdes ist Gras bzw. Wiesenbewuchs teilweise in getrockneter Form als Heu. Dieses ist für die Gesundheit des Pferdes -und auch seiner Hufe- von zentraler Bedeutung. Eine gesunde, für Pferde geeignete Wiese/Heu ist -leider- auch das schwierigste und komplexeste Thema in der Pferdefütterung. Dies wird leider oft falsch wahrgenommen. Es ist ist nicht egal, welches 'Grünzeug' im Heu ist und extrem wichtig welches Ergänzungsfutter gegeben wird....

Eine Weide oder Heuwiese wird häufig nur als 'grüne Fläche' wahrgenommen. Nur wenige Pferdehalter wissen, was dort eigentlich wächst bzw. wie eine pferdegerechte Weidebewirtschaftung aussieht. Fatal ist, dass eine 'gleichmäßig satt dunkelgrüne' Wiese oft als ideal einer korrekt gepflegten Weide gilt. Solche Wiesen sind im Gegenteil eine konkrete Gefahr für die Gesundheit eines Pferdes.
Das Grünland hat sich hierzulande in den letzten Jahrzehnten stark verändert in Bezug auf die Art der Bewirtschaftung und der Art des Bewuchses. Diese Veränderung ging einher mit einer intensiveren und produktiveren landwirtschaftlichen Nutzung, im Falle des Grünlandes insbesondere mit der Milchviehwirtschaft.
Kühe wurden in den letzten Jahrzehnten auf eine immer größere Milchproduktion gezüchtet. Damit geht ein extrem hoher Energiebedarf einher, der über das Futter gedeckt werden muss. Eine Milchkuh (etwa 7000 l Milchleistung, was noch im unteren Bereich dessen liegt, was heute züchterisch angestrebt wird) benötigt ca. 21kg (!!!!) Futtertrockenmasse pro Tag, davon die Hälfte Raufutter und die Hälfte Kraftfutter.
Eine solche Kuh braucht auf einen maximalen Energiegehalt optimiertes Grünfutter, als Heu bzw. Silage um nicht zu verhungern.
Für diesen Zweck wurden nun auch die Gräser optimiert. Sie mussten düngefreudig sein, einen hohen Ertrag bringen, sehr schmackhaft sein damit die Kuh auch ausreichend davon frisst.... Die Wiesen mit diesem Bewuchs werden entsprechend intensiv (synthetischer Dünger) gedüngt und bringen maximalen Ertrag. Herausgekommen sind Hochleistungsgräser, die auf entsprechend bewirtschafteten Wiesen fast allein vorkommen. Mit dieser Entwicklung geht auch die für Pferde gefährliche Eigenschaft der Leistungsgräser einher, unter bestimmten Umständen extreme Konzentrationen an Fruktan einzulagern- mehr dazu weiter unten.

Diese Entwicklung des Grünlandes steht im krassen Gegensatz zu den Bedürfnissen eines Pferdes. Wird ein Pferd mit Futter gefüttert, das eigentlich für Hochleistungskühe gedacht ist, ist es drastisch über- und gleichzeitig fehlversorgt. Anschaulich könnte man dies etwa mit einem durchschnittlichen 'Bürojob'- Menschen vergleichen, der sich von Hamburgern, Pommes, Limonade und Süßigkeiten zur freien Verfügung ernährt....
Das Pferd verfettet auf solchen Grünflächen, ist fehlversorgt, hungrig aufgrund zu geringen Rohfasergehaltes und ist einer extremen Hufrehegefahr ausgesetzt. Auch wenn es nicht zu offensichtlichen Reheschüben kommt, reicht diese Fütterung jedoch in der Regel, um den Huf so zu schwächen, dass das Pferd fühlig läuft oder z.B. ständig verbogene Wände aufweist.
Auch Krankheiten wie Cushing, Equines Metabolisches Syndrom, Ekzem, Headsheaking usw. werden mit modernem Grünland in Verbindung gebracht.

Wie erkenne ich solche Wiesen?

Extreme Hochleistungswiesen sind recht einfach als solche zu erkennen. Auf ihnen wächst Deutsches Weidelgras, Wiesenlieschgras und Klee. Sie wirken schon von weitem dunkelgrün und einheitlich. Auf solche Wiesen würde ich ein Pferd GAR nicht stellen und auch solches Heu nicht füttern.

Aber auch die 'normale' Pferdeweide ist oft -je nach Boden, Vorgeschichte des Stückes etc., viel zu reichhaltig für das Freizeitpferd, was wieder die Gefahr von Verfettung und Hufrehe birgt- und auch fühliges laufen.
Je mehr 'ursprüngliche' Grassorten auf der Wiese wachsen, desto besser. In einem Naturschutzprojekt in Schleswig Holstein weiden leichtfuttrige Koniks auf 230h ehemaligem Truppenübungsplatz (d.h. niemals intensiv bewirtschaftet) -ohne Probleme mit Verfettung oder Hufrehe.


Ausschließlicher Bewuchs mit Weidelgras


Detail: Die leicht zu erkennende Weidelgrasblüte (für Details bitte ein Bestimmungsbuch für Gräser konsultieren)

Pflanzenstoffwechsel und Fruktane
Pflanzen produzieren Zucker und Sauerstoff aus Wasser und Kohlendioxid mit Hilfe von Sonnenlicht. (Photosynthese). Damit die Photosynthese ideal ablaufen kann, müssen ausreichend Rohstoffe zur Verfügung stehen sowie eine geeignete Temperatur herrschen. Die Prozesse sind komplex, im folgenden die für die Pferdehalter relevantesten Punkte.
Fruktane sind eine Möglichkeit der Pflanze, Speicher anzulegen. Welche Konzentrationen Fruktan in einer Pflanze zu finden ist, hängt ab von:

* Grassorte
* Temperatur
* Wasserhaushalt
* Wachstumsstadium
* Teil der Pflanze
* Tageszeit/Jahreszeit
* .....

Betrachten wir als Beispiel ein Gras, das mit Wassermangel zu kämpfen hat. Ist nicht mehr genug Wasser vorhanden, geht das Blattwachstum sehr schnell zurück, die Photosynthese läuft aber bis in Bereiche deutlicheren Wassermangels weiter und fällt viel langsamer ab. Vereinfacht kann man also sagen, dass die Pflanze noch Energie erzeugt, aber nur noch sehr wenig wächst. In einem solchen Fall lagert sie Fruktan ein.
Völlig analog ist die Situation bei einer zu geringen Temperatur.
Grassorte g Fruktan/kg Trockenmasse bei 5-10° g Fruktan/kg Trockenmasse bei 11-25°
Knaulgras 130 8
Wiesenschwingel 220 0
Deutsches Weidelgras 210 10
Lieschgras 111 2

Die 'klassische' Fruktanwetterlage ist kaltes, sehr sonniges Wetter im Frühjahr oder Herbst... Warum eigentlich?
Hier kommt nun das Wachstumstadium der Pflanze ins Spiel. Die Assimilate d.h. auch das Fruktan verteilen sich je nach Wachstumsstadium des Grases unterschiedlich. Während des 'Ährenschiebens' (nur grüne Blätter sichtbar, zerlegt man das Gras kann man eine zusammengefaltete Ähre finden) finden sich hohe Konzentrationen an FruKtan (wieder je nach restlichen Bedingungen) in den Blättern. Blüht das Gras, wandern die Assimilate Richtung Blüte. 4 Wochen nach der Blüte ist das Fruktan weitgehend aus den Blättern abgezogen und in den Samen als (für das Pferd harmlose) Stärke gespeichert. Daher ist das typische überständige Gras viel besser für Pferde geeignet als frisches Frühjahrsgrün. Wurde im Sommer die Wiese gemäht, befindet sich das Gras im Herbst in einem ähnlichen Wachstumsstadium wie im Frühjahr.
Stress für die Pflanze führt also zur Einlagerung von Fruktanen. Die Konzentration an Fruktanen kann sich stündlich (!) ändern.

Fruktan und Hufrehe
Es ist experimentell nachgewiesen, dass eine ausreichende Menge an Fruktan zu Hufrehe führt, auch bei einem Pferd mit gesunden Hufen. Die individuelle Anfälligkeit ist selbstverständlich verschieden.
Die Zucht der modernen Leistungsgräser hat 'nebenbei' zu Gräsern mit einer extremen Fruktanproduktion geführt. Eigenschaften wie z.B. hohe Energiewerte, niedriger Rohfasergehalt, gute Schmackhaftigkeit, Silierfähigkeit gehen notwendigerweise mit hoher Fruktanproduktion einher.
Das Fruktan führt über verschiedene Prozesse dazu, dass eine überstürzte Produktion der Enzyme stattfindet, die normalerweise die Hufwand für das Wachstum ein wenig ablösen und nach unten verschieben. Die massenhafte Produktion führt von Verlust der festen Verbindung von Hufbein und Hufwand. (Forschungen von Dr. Politt)
Hufrehe lässt sich mit 7,5 g Fruktan pro kg Lebendgewicht auslösen, als kritisch gelten 5 g. (z.B. bei einem empfindlichern Pferd).
Dazu nun folgende einfache Rechnung:
Bei 24h Weidegang frisst ein Pferd etwa 2-2,5% seines Körpergewichtes als Trockenmasse Gras. (Gras enthält etwa 20% Trockenmasse, also entspricht das für 500kg Pferd 62,5 kg frischem Gras).
Enthält das Gras z.B. 210 g Fruktan pro kg/Trockenmasse, frisst das obige Pferd 0,025*210g=5,25 Fruktan pro kg Lebendgewicht. Dies ist eindeutig im kritschen Bereich. Bei extremeren Bedingungen wurden in Leistungsgräsern bis 400g/kg Trockenmasse Fruktan gefunden! Hiermit ist die Hufrehe sicher.
Die Zahlen gelten für offensichtliche, akute Hufrehe mit den typischen Symptomen. Mir sind keine Untersuchungen zu 'schleichenden' Prozessen oder 'nur' fühligen Pferden bekannt. Meine Erfahrung ist aber, dass lange bevor eine Hufrehe offensichtlich wird Probleme wie dauernd verbogene Wände oder eine seltsame Fühligkeit auftreten. Dafür dürften schon weitaus geringere Konzentrationen Fruktan ausreichen. Hier liegt der Grund für eine 'unerklärliche' Fühligkeit vieler Pferde! (siehe gesunde Hufe!)

Standort und Düngung
Ein weiterer Aspekt der heutigen intensiven Wiesenbewirtschaftung ist es, dass die Düngung es (Leistungs)gräsern erlaubt, auf Standorten zu wachsen, auf denen es nicht natürlicherweise vorkommt. ("Stickstoff ersetzt Wasser"). Hier ergibt sich ein weiteres Dilemma: Wird die bisherige extrem intensive Bewirtschaftung fortgeführt, ist diese Wiese ganz sicher viel zu reichhaltig für Pferde. Düngt man aber nicht mehr, geraten die Leistungsgräser auf einem z.B. für sie zu trockenem Boden leicht ganz massiv unter Stress und können so extremste Mengen an Fruktanen produzieren. Es können solche Mengen Fruktan produziert werden, dass Hufrehe klinisch sicher ausgelöst wird. (siehe oben)
Die 'Aushagerung' einer Wiese in Richtung einer Pferdegerechten extensiv- Weide ist nicht so einfach, wie man vielleicht zunächst denken würde. Eine Aushagerung dauert Jahre, und funktioniert leider nicht an jedem Standort. Sehr fruchtbare Böden sollten anders als als Pferdeweide bewirtschaftet werden.
Wenn sie Ihre Wiese 'analysiert' haben, lesen sie und lassen sich fachkundig für ihren Fall beraten- Vorsicht übrigens mit den Düngeempfehlungen der Landwirtschaftskammer, die normalerweise den Bodenproben beiliegen: Eine 'extensive' Bewirtschaftung ist dort nicht existent. Auch der Hinweis 'Pferdeweide' führt zu Düngeempfehlungen, die auf eine intensive Leistungsgras- Wiese abzielen, zusätzlich sind die Empfehlungen nicht immer sinnig.
Feuchte Tallagen sind die natürliche Heimat der Leistungsgräser und deren Verwandten. Solche Standorte sind, selbst wenn sie niemals intensiv bewirtschaftet wurden, zumindest für das durchschnittliche Freizeitpferd, nicht oder nur zum stundenweisen Weidegang geeignet, denn das Futter ist schlicht viel zu reichhaltig und birgt die Gefahr einer Verfettung oder Hufrehe.

Besatzdichte, Extensiv oder Intensiv?
Die Besatzdichte bezeichnet die Anzahl der 'Grossvieheinheiten' (500kg) die auf einem Stück (dauerhaft) weiden.
In vielen Ställen werden viele Pferde auf kleiner Fläche gehalten. Das Resultat ist eine deutliche Überweidung ("Trampelkoppel"). Die Flächen sind kurzgenagt, es wachsen vor allem Vertrittanzeiger, oft Klee. Diese Koppeln sind sehr nachteilig. Zwar kann das Pferd dort insgesamt 'wenig' fressen. Aber das, was dort wächst kann dennoch schädlich sein, z.B. dadurch, dass für die Pflanzen Stress entsteht oder dass sich Giftpflanzen wie Hahnenfuss massenhaft ausbreiten.

 


typische Trampelkoppel- extrem kurz genagtes Gras, einige Geilstellen bleiben stehen

Klee (in Massen) ist ein zusätzliches Problem. Klee hat die Fähigkeit, Luftstickstoff nutzbar zu machen. Stickstoff ist das Element das nachdem eine intensive Düngung beendet wird, am schnellsten ausgewaschen wird. Der Klee hat jedoch mit diesem Mangel kein Problem und kann die restlichen Nährstoffe im Boden noch bestens nutzen- er breitet sich aus.
Mehr als 30% Klee auf der Wiese ist jedoch für Pferde gefährlich, denn er kann Trifoliose (und auch Koliken oder Hufrehe) auslösen. Die Pflanzen ergeben eine Photosensibilisierung beim Pferd, an hellen Hautpartien (z.B. helle Abzeichen an den Beinen) bildet sich eine Entzündung der Haut, die auf den ersten Blick aussieht wie Mauke - sich aber nicht wie solche behandeln lässt. Bei dunklen Pferden bzw. wenn die Ursache nicht abgestellt wird, können sich später massiv die Schleimhäute entzünden- also Vorsicht. Behandlung: Pferd von dieser Wiese sofort runterholen, schattig unterbringen, die Wiese sanieren und solange keine Pferde mehr drauflassen.


'Trampelkoppel' mit massenhaften Kleevorkommen


Wer 'Trampelkoppeln' hat, hat in der Regel sehr wenig Weideland. Gesünder für die Pferde ist es, einen Teil der Weide dann wirklich als 'Paddock' zu nutzen, d.h. so dass dort blanker Erdboden entsteht, je nach Wetter/Nutzung befestigen. Dafür sollte ein Teil der Weide (z.B. die Mitte) geschont werden, saniert und zwar so, dass dort vielfältige, hohe Gräser wachsen. Die Pferde können dann im Sommer stundenweise auf das möglichst überständige Gras gelassen werden.

Eine weitere, ungünstige Weidewirtschaft ist die Portionsweide, eine eindeutig sehr intensive Bewirtschaftung. Hier wird eine kleine Weide in Parzellen geteilt bzw. den Pferden jeden Tag ein Stückchen zugesteckt. Die Idee dahinter ist, die Grasaufnahme zu portionieren. Im Prinzip ist die Idee in Ordnung, nur die Umsetzung ist ungünstig für die Wiese und damit für die Pferde.
Der schon abgefressene Teil der Koppel ist aufgrund der kleinen Fläche oft einer extremen Belastung ausgesetzt- oft wächst hier nur noch Millimeter kurzes Gras. Die Pferde warten in der Regel gierig darauf, dass ein neues Stück Gras zugesteckt wird- und fressen die Wiese 'ordentlich' ab (das ganze sieht oft aus wie ein Zierrasen). Für viele sieht das zunächst gut aus, problematisch ist aber, dass die Pferde hier wegen mangelnder Wahlmöglichkeit wirklich alles fressen, oft genug auch Giftpflanzen, die sie auf einer größeren Fläche einfach stehen lassen. Damit eine Wiese eine solche Bewirtschaftung auf Dauer aushält, muss stark gedüngt werden was allerdings wieder die unerwünschten Leistungsgräser und damit die Hufrehegefahr fördert.
Besser: Falls die Koppel nicht am Offenstall liegt, ein Stück als 'Erdpaddock' opfern und die Pferde stundenweise auf die gesamte Koppel lassen.

Intensive Weidebewirtschaftung und Heumahd: Häufig werden Pferdeweiden intensiv bewirtschaftet, weil die Wiesen sowohl als Weideflächen herhalten müssen als auch das Heu für die Pferde liefern müssen. Hat man nur 1ha pro Pferd, kommt man in einem solchen Fall um extrem intensive Bewirtschaftung nicht herum. Steht nicht mehr Land zur Verfügung und ist Zukauf von Heu wirtschaftlich nicht sinnvoll, ist es besser, die Weidezeit der Pferde zu begrenzen (damit reduziert sich die Besatzdichte) und auf den Heuwiesen durch Festmistdüngung z.B. Gräser wie den Wiesenfuchsschwanz, ein sehr gutes Heugras, zu fördern. Wie gesagt, intensive Weidelgrasweiden sind für Pferde völlig ungeeignet, wie wirtschaftlich reizvoll sie auch sein mögen. Und: Besser notfalls (geeignetes) Heu zukaufen, als kranke Pferde, die sind nämlich sicher teurer. Wenn man intensiver wirtschaften muss, ist dieser Bewuchs als Heu für Pferde besser geeignet als als Gras.

Extensive 24h- Weide: Sicher wohl das 'ideal' was vielen Pferdehaltern vorschwebt. Eine kurze Warnung im Vorraus- so einfach wie man vielleicht denkt ist es nicht. Wirklich extensive Weiden vertragen je Art der Wiesengesellschaft nur eine äußerst geringe Besatzdichte, von ca. 0,2 Großvieheinheiten für Trockenrasen bis 0,5 Großvieheinheiten pro ha, wie sie in Naturschutzprojekten eingesetzt werden. d.h. man bräuchte für vier Kleinpferde mind. 8ha Weideland.
Und natürlich ist nicht jeder Standort geeignet. Ideal und schwer zu finden sind Standorte, die niemals intensiv bewirtschaftet wurden.
24h Weidegang sind nur auf wirklich extensiven Weiden möglich- sonst geht die doch so schöne artgerechte Haltung von der der Halter träumte schnell schief- (musste ich leider bei unseren Pferden erfahren- Hufrehe und Verfettung..). Während die Pferde im Naturschutz auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz keine Probleme zeigten, bekamen die Pferde auf 'normalem' Land mit u.a. Weidelgrasflächen Hufrehe, die Hufe wuchsen stark und verbogen sich zuvor schon... Auch Probleme wie überstürzter Fettabbau im Winter (Hyperlidämie) traten auf.
Hat man solche Voraussetzungen nicht, dann ist 24h Weide nicht empfehlenswert. Besser ist das stundenweiser Weidegang mit Rücksicht auf mögliche Stressphasen der Pflanzen.
Liegen die Weiden direkt am Offenstall, kann man die Pferd einfach stundenweise raus lassen, ansonsten kann man eine Ecke einer weiter entfernten Koppel als Erdpaddock opfern.
Auch eine Möglichkeit ist es, den Pferden stundenweise einen Weidemaulkorb aufzusetzen. Damit wird die Grasaufnahme stark reduziert.

Saatgut
Verbreitet wird auf Weiden eine 'Reparatursaat' ausgebracht, um Lücken zu füllen. Wer regelmäßig nachsähen muss, betreibt keine ordnungsgemäße oder sinnvolle Wiesenbewirtschaftung!
Der Großteil des Gras- Saatgutes ist für Pferdeweiden nicht geeignet. 'Übliche' Saatgutmischungen enthalten meist mehrere Sorten Weidelgras und evtl. einige andere Leistungsgräser. Solche Saatgutmischungen werden sogar von typischen Pferdefuttermittelhändlern angeboten! Bitte Finger weg und mit ursprünglichen Grassorten säen insbesondere ohne Weidelgras. (z.B. www.kraueterwiese.de )
Durch Saat kann man nicht beliebige Gräser auf der eigenen Weide ansiedeln. Es setzen sich nur die Gräser auf Dauer durch, die zu diesem Standort und der Nutzung passen. Über die Bewirtschaftung kann man die Zusammensetzung einer Wiese wohl mehr bestimmen als über (Nach)saat.
Leistungsgräser keimen und wachsen bei entsprechender Düngung so schnell, dass man innerhalb von wenigen Monaten aus einem 'Acker' eine knallgrüne, dichte Wiese machen kann. Dies funktioniert bei den ursprünglichen Grassorten sich so, es wächst langsamer und spärlicher, die Wiese entspricht nicht dem klassichen Idealbild, von dem wir aber gelernt haben, dass es für Pferde nicht gesund ist...

Heu oder Heulage/Silage?

Meiner Meinung nach ist Heu ergänzt durch kleinere Mengen Stroh das ideale Grundfutter für Pferde.
Tipps zum Heumachen:

  • Pferdeheu besteht ähnlich wie eine ideale Pferdeweide aus ursprünglichen Gräsersorten, Leistungsgräser sind auch hier zu vermeiden. Kräuter sind erwünscht, diese verschwinden übrigens bei intensiver Bewirtschaftung. Ein intensiver Heuduft ist ein starker Hinweis auf extensive Bewirtschaftung. Am besten schauen sie sich die Wiesen vor der Ernte an.
  • Das Heu sollte geschnitten werden, wenn das Gras geblüht hat. Die Jahreszeit hängt von der Region/Wetter ab und von der vorherigen Bewirtschaftung. Die Wachstumsphase des Grases ist entscheidend, nicht ob 1. oder 2. Schnitt! Dass Pferdeheu 'spät' geschnitten wird, schont auch viele Tiere auf der Wiese. Grummet/Öhmt d.h. kurzes Gras lange vor der Blüte geschnitten ist für Pferde nicht geeignet.
  • Selbstverständlich sollte man auf trockenes, warmes Wetter warten! Alte Bauern haben oft eine besondere Kenntnis, wann man mäht und wann besser nicht ;-) Wer eine extensive Wiese hat, hat in der Regel viel mehr Toleranz im Schnittzeitpunkt.
  • Nicht zu tief schneiden. 8 cm Schnitthöhe bringen zwar ein paar Ballen weniger, sind aber besser für die Wiese und ergeben eine wesentlich bessere Heuqualität. z.B. deutlich weniger Staub und Dreck im Heu.
  • Feine' Gräsersorten im Heu sind nicht nachteilig, falls sie im Stadium der Blüte waren.
  • Kleine Ballen (etwa 12 kg) sind wg. der geringeren Dichte von besserer Qualität als Heu in Rund- oder Quaderballen.
  • Pferdehalter haben 'besondere' Ansprüche. Reden sie mit den Bauern falls sie ihr Heu zukaufen. Seien sie bereit, gute Arbeit entsprechend zu bezahlen. Etwas teureres Heu ist wirtschaftlich, wenn es die Pferde gesünder hält.
  • Achten sie selbstverständlich auf Dreck oder Schimmel im Heu.
  • Heu darf auf keinen Fall muffig riechen!
  • (Lassen) sie ihr Heu trocken lagern, am besten in einem Heuboden. Die untersten Ballen sollten auf Paletten liegen, nicht auf dem Boden.
  • Schauen sie, ob auf der Wiese Giftpflanzen wachsen und ob diese im Heu problematisch sind.
  • Wenn es in unmittelbarer Nähe ihres Stalles keine geeigneten Heuwiesen gibt, kaufen sie das Heu von weiter her. Geiz beim Heukauf ist unangemessen, denn es ist die wichtigste Grundlage für gesunde Pferde. Fast alle (teuren) Pülverchen, Spezialfutter etc. kann man sich sparen, viel besser ist das Geld in gutes Heu investiert!
  • frisch geerntetes Heu vor dem füttern etwa 8 Wochen ablagern

Silage oder Heulage (Bezeichnung je nach Region) meint Gras, das deutlich später gemäht wird als Silo für Kühe, aber in der Regel doch eher bei Beginn der Blüte. Das Gras trocknet kürzer als Heu, in der Regel 1 Tag und wird dann in Folie gewickelt. Resultat ist etwas, dass fast aussieht wie Heu aber den typischen Geruch nach Milchsäuregärung hat. Vorteil ist, dass es weniger wetterabhängig ist, sich einfach draußen lagern lässt und staubfrei ist. Viele Firmen bieten inzwischen Heulage inzwischen auch als kleine Ballen an. Ein Problem bei Heulage ist die Gefahr des oft tödlichen Botulismus.


Ich möchte die Heulage im folgenden nur von Standpunkt des 'Grases' betrachten. Extensiver Aufwuchs nach der Blüte lässt sich aufgrund seines hohen Rohfasergehaltes, seiner Vielfalt schlecht oder gar nicht silieren. Das Resultat ist bestenfalls 'eingewickeltes Heu', meist gammeln diese eingewickelten Ballen aber.
Zur Produktion idealer Heulage braucht man einen möglichst einheitlichen Bewuchs an gut silierfähigen Gräsern- das sind genau die nach dem obigen Text für Pferde 'unerwünschten' Leistungsgräser. Sind die Gräser schon zu überständig, funktioniert das silieren auch nicht mehr wirklich gut. Wirklich spät geschnittene Silage gibt es also nicht.
Meines Wissens wird gerade die in kleinen Ballen verpackte Silage von 'Äckern' einheitlichen Leistungsgrases produziert. Dies gibt vielleicht eine Silage idealer Qualität, ob diese aber vom Grundtyp des Futters für Pferde geeignet ist, ist sehr fraglich.

Übrigens: Auf gar keinen Fall für Pferde geeignet ist unreif geerntetes Getreide wie Hafer. (u.A extreme Fruktankonzentrationen).

Stroh guter Qualität ist eine gute Ergänzung zu Heu, gerade bei leichtfuttrigen Pferden. Auch hier ist auf eine sehr gute Qualität zu achten.

Fütterungstechnik und Fresspausen

Wie oben erwähnt sind Pferde auf eine ständige Aufnahme kleiner Mengen Futter angewiesen. Fresspausen von mehr als 4 Stunden sind für Pferde unnatürlich und führen zu Magengeschwüren und/oder Verhaltensauffälligkeiten, da Pferde ständig Magensäure produzieren. Ein Pferd muss nicht ständig viel fressen, knappern einiger Halme zwischendurch reicht.
Ideal in Bezug auf die Fresspausen (und den Arbeitsaufwand) ist Heu zur freien Verfügung. Leider werden gerade leichtfuttrige Pferde dabei gerne zu fett. Selbstverständlich legt sich die erste 'Gier' nach einigen Tagen, viele Pferde fressen aber aus freien Stücken zuviel für ihren Bedarf.
Portioniert Heu zu füttern führt häufig zu zu lagen Fresspausen, insbesondere nachts. Lohnende Alternativen:

  • Engmaschige Heunetze verlängern die Fressdauer erheblich
  • Einen analogen Effekt haben Raufen mit engen Stäben, die teilweise sogar automatisch Heu nachschieben können!
  • Bei allen Fällen darauf achten, dass die Pferde nirgendwo hängen bleiben, der Netz- oder Gitterabstand muss kleiner sein als die kleinsten Hufe in der Herde.
  • Einweichen des Heus kann bei sehr empfindlichen Pferden den Zuckerhalt des Heus reduzieren
  • Stroh schmeckt weniger gut und wird daher nicht so gierig geschlungen, gerade wenn es auch in einem Heunetz steckt. (Bis zu 1/3 der Ration ist empfehlenswert). Mischen von Heu und Stroh führt zu Sortieraufwand beim Fressen ;-)
  • etwa 1- 1,5 kg Heu sollte ein Pferd pro 100kg Körpergewicht fressen, auf individuellen Bedarf eingehen. Bei großer Kälte im Winter brauchen die Pferde viel Raufutter zum 'heizen'.
  • Es sollte grundsätzlich von Bodenhöhe gefüttert werden (natürliche Fressposition).


Ich empfehle jedem, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und den Bewuchs der Weide zu analysieren. Dieses umfangreiche Thema kann ich auf meiner Webseite nicht vollständig abdecken, hier sei auf die Literatur verwiesen:

  • Allgemein zu Weidebewirtschaftung: Dr. Renate Vanselow: Pferdeweide- Weidelandschaft; www.biologie-der-pferde.de (bietet auch Beratung)
  • Bestimmung von Gräsern, Kräuter (Beispielhaft: Conert, Pareys Gräserbuch, Klopp/ Boberfeld Kräuter...)
  • www.safergrass.org (englisch)
  • Jamie Jackson: Founder

Kraft- und Ergänzungsfutter

Hier empfehle ich bei Bedarf ganz schlichten Hafer guter Qualität als Kraftfutter und die kurweise Zufütterung eines passenden Mineralfutters. Zusätzlich sollte ein Salzleckstein zur Verfügung stehen.
Kraftfutter sollte man geben soviel wie nötig, sowenig wie möglich. Viele Ponys und Robustrassen brauchen bei normaler Freizeitnutzung von ca. 1 Stunde am Tag kein Kraftfutter.
Warum kein Müsli oder Pellets? Beide erhalten oft unerwünschte oder potentiell schädliche oder Allergie auslösende Stoffe. z.B. Melasse oder Mengen ätherischer Öle (für die Nase des Käufers). Zusätzlich finden sich in vielen solcher Futtermittel seltsame Mengen Mineralien, die Mineralversorgung ist fest an die zusätzliche Energieversorgung verkoppelt, woraus sich oft eine deutliche Fehlversorgung ergibt. Zusätzlich ist die Qualität oft nicht kontrollierbar, das Futter lässt sich schlechter lagern und verdirbt schneller als (ganzer) Hafer.
Hafer ist außerdem völlig ausreichend, in der Regel auch günstig beim örtlichen Bauern oder Landhandel zu erwerben. Spinnig werden die Pferde von zuviel Kraftfutter und zuviel Boxenhaltung, nicht vom Hafer an sich.
Übrigens: 'Schwerfuttrige' Pferde sind oft völlig mit Kraftfutter überfüttert, so dass sie nicht mehr genug Heu fressen- eine absolut fatale Kombination.
Lassen sie die Zähne 1x im Jahr von einem Spezialisten (z.B. www.igfp-ev.de) kontrollieren- auch beim jungen Pferd, um Problemen vorzubeugen. (Einem 'normalen' TA ohne Zusatzausbildung fehlen dort in der Regel die Kenntnisse)

Ein Mineralfutter dient zum Ausgleich gerade bei weniger artenreichem Aufwuchs. Ob und wieviel Mineralfutter sinnvoll ist, ist nicht einfach zu beantworten. Einen Anhaltspunkt kann eine Futterberechnung bieten, z.B. www.hof-luettgesheide.de
Neben den Mineralfuttermitteln gibt es ein riesiges Angebot an Extra- und Ergänzungsfuttermitteln. Diese werden verbreitet verfüttert, der Sinn dieser Futtermittel liegt jedoch meiner Meinung nach ausschließlich im gezielten Ausgleich von Mängeln. Für ein normales Pferd sind diese Extra- und Ergänzungsfuttermittel im Allgemeinen unnötig. Bei Problemen sollte man sein Futter (vor allem Heu) auf seinen Nährstoffgehalt untersuchen lassen und eine Blutuntersuchung beim Pferd. Dann gezielt zufüttern. Biotinmangel ist sehr selten, da ein gesundes Pferd sein Biotin selbst aus Vorstufen herstellt. Die Versprechen der Futterindustrie funktionieren eher selten, dies liegt daran, dass solche Präparate nur dann wirken, wenn ein Mangel überhaupt vorlag. ‚Planloses’ zufüttern irgendwelcher Zusatzpräparate ist zudem potentiell schädlich, denn eine Überversorgung ist ebenso problematisch wie eine Unterversorgung. Häufiger ist mangelhaftes Hufhorn jedoch durch Beschlag, eine falsche Hufform oder schlechte Haltung verursacht. Wirkliche Ernährungsmängel sind eher selten. Häufiger sind die Pferde eher überversorgt.

Aufwändiges Fütterungsmanagement für die beim normalen Freizeitpferd in der Regel benötigen Mengen Kraft- und Ergänzungsfutter ist 'overkill'. Evtl. ein Eimer nach dem Reiten reicht in der Regel!
Nur wer ein (Hoch)leistungspferd hat, wird hier etwas mehr Aufwand betreiben müssen.

Alles in Allem wohl ziemlich das Gegenteil einer Haltung im 'traditionellen' Reitstall.

Ist mein Pferd zu fett?

'Das Auge des Herrn füttert das Pferd' - ein alter Spruch mit viel Wahrheit. Er ruft dazu auf, die Fütterung dem Zustand des Pferdes anzupassen, denn je nach individueller Futterverwertung, Arbeit usw. benötigt jedes Pferde seine Futtermenge, und allgemeine Empfehlung und Berechnungen können nie mehr sein als eine Richtlinie.

Doch hierzu muss man den Futterzustand seines Pferdes realistisch einschätzen können. Heutzutage sind übergewichtige Pferde leider die Regel, was ein solches Pferd 'normal' erscheinen lässt. Aus eigener bitterer Erfahrung kann ich nur warnen, die Gefahren von allgemeinem Übergewicht oder 'Fettpölsterchen' zu unterschätzen. Lesen Sie sich diese Kriterien durch und beurteilen sich den Ernährungszustand ihres Pferdes ehrlich. Viele (mich eingeschlossen) haben als 'normal' zunächst ein zu dickes Pferd in ihrer Vorstellung.

Eine sehr nützliche Richtlinie wurde von einer amerikanischen Tierärztevereinigung herausgegeben. Ein Ernährungszustand '5' gilt als ideal. 4 oder 6 sind je nach Situation des Pferdes auch noch akzeptabel.

Die Fütterungszustände 1-3 sind in der Regel nur bei extremer Vernachlässigung/Krankheit anzutreffen und werden allgemein sofort als entsprechend dramatisch erkannt.
7-9 sind ebenso schlimm und ein Grund zum sofortigen Handeln seitens des Besitzers. Mit einem zu fetten Pferd ist keinesfalls zu Spaßen. Probleme wie Hufrehe, Metabolisches Syndrom, Cushing usw. sind geradezu vorprogrammiert. 'Nebenbei' oder als erste Warnung zeigen zu fette Pferde oft eine Fühligkeit auf hartem Boden.

  • Unterernährung
    Das Pferd ist ausgemergelt, Dornfortsätze, Rippen Schweifansatz und sämtliche Knochenvorsprünge sind überdeutlich zu erkennen. Keinerlei Fettansatz erkennbar.
  • Sehr mager
    Die Dornfortsätze sind sichtbar. Rippen, Schweifansatz und Hüfthöcker sind deutlich sichtbar. Die Knochenkonturen von Widerrist, Hals und Schulter sind noch sichtbar voneinander abgesetzt.
  • Mager
    Die Dornfortsätze sind noch immer prominent aber mittig mit etwas Fettgewebe abgedeckt. Geringe Mengen Fett bedecken die Rippen, die aber leicht erkennbar sind. Der Schweifansatz ist dünn aber einzelne Wirbel sind nicht zu unterscheiden. Die Hüfthöcker sind vorstehend aber eher angerundet. Die Konturen von Hals Widerrist und Schulter sind akzentuiert.
  • Eher mager
    Die Dornfortsätze am Rücken sind nicht erkennbar aber die Muskulatur erreicht nicht das Niveau der Dornfortsätze (Rinne rechts und links der Wirbelsäule). Die Konturen der Rippen sind gerade noch mit dem Auge sichtbar. Am Schweifansatz findet man eine dünne Fettauflagerung. Hals, Widerrist und Schultern erscheinen nicht dünn.
  • Guter Ernährungszustand
    Die Dornfortsätze der Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur sind auf einer Höhe. Rippen kann man nicht sehen aber leicht ertasten (ohne viel Druck!). Die Fettpolster am Schweifansatz sind deutlich und etwas weich. (Die 'Fettpölsterchen' dürfen nicht 'herausstehen' sondern glatt zu den Konturen der Kruppe passen). Der Widerrist erscheint abgerundet und die Konturen von Hals, Schulter gehen fließend in einander über.
  • Eher zu gut ernährt
    Andeutung einer Mittelrinne über den Dornfortsätzen des Rückens. Das Fettpolster am Schweifansatz ist deutlich zu fühlen, auf den Rippen fühlt man eine dünne Fettschicht. Die Gruben beidseits des Widerristes sind leicht mit Fett aufgefüllt und es finden sich Ansätze zu Fettpolstern am Mähnenkamm und hinter den Schulterblättern.
  • Fett
    Meist bildet sich eine deutliche Rinne über den Dornfortsätzen des Rückens. Die einzelnen Rippen können noch ertastet werden aber man fühlt eine deutliche Fettschicht. Das Fettpolster am Schweifansatz fühlt sich weich an. Fettansätze am Mähnenkamm, hinter den Schultern und am Widerrist sind optisch erkennbar.
  • Deutlich fett
    Eine deutliche Rinne verläuft zwischen den verfetteten Muskelsträngen am Rücken. Die Zwischenräume zwischen den Rippen sind nur noch mit Mühe ertastbar. Fettpolster am Widerrist füllen die Gruben weitgehend auf und das Fettpolster am Schweifansatz fühlt sich sehr weich an. Am Mähnenkamm bildet sich ein Fettwulst, die Konturen der Schulter verschwimmen in der Fettauflagerung.
  • Extrem verfettet
    Die Mittelrinne am Rücken ist sehr deutlich. Fettwülste bilden sich über den Rippen. Am Schweifansatz, in der Lendengegend, der Schulter, dem Widerrist und am Mähnenkamm bilden sich Fettwülste. Fett im Zwischenschenkelspalt und am Präputium (Schlauchtasche beim Wallach, bzw. vor dem Euter bei einer Stute) tritt deutlich in Erscheinung.

Bemerkung: Eine 'gespaltene Kruppe' ist bei manchen Pferden rassetypisch. In diesem Fall handelt es sich um Muskulatur, nicht um Fett. Dies ist von der 'Regenrinne' die bei fetten Pferden entsteht zu unterscheiden!

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