Siegerschleifen von Kai Krueger/Stock.Adobe.com
Aus dem Sport

Gefährliche Ehrenrunde – gehört die LPO überarbeitet?

Für den einen ist es eine Freude platziert zu sein und die Ehrenrunde reiten zu dürfen, für den anderen ist die Ehrenrunde der pure Horror. Ein jüngst passiertes schreckliches Unglück, wo ein Mädchen bei einer Ehrenrunde ums Leben kam, veranlassten mich zu diesem Artikel.

Die LPO schreibt vor, dass eine Teilnahme an der sogenannten Ehrenrunde für den Teilnehmer verpflichtend ist, ansonsten droht die Aberkennung der Platzierung. Sicherlich sieht es nicht schön aus, wenn einer oder mehrere platzierte Reiter fehlen, aber rechtfertigt das eine Teilnahmepflicht?

§59 Platzierung / Siegerehrung Nr. 2.1 der LPO 2018 sagt aus:

„Die Siegerehrung (inkl. Ehrenrunde) ist Bestandteil der LP. Die Teilnahme an ihr ist grundsätzlich für alle an 1. bis 6. Stelle platzierten Teilnehmer mit dem platzierten Pferd/ Gespann Pflicht; hiervon abweichende Regelungen sind vom Veranstalter spätestens mit der endgültigen Zeiteinteilung bekannt zu geben. Nichtteilnahme dieser Teilnehmer hat die Aberkennung der Platzierung zur Folge. Teilnehmer, die sich mit mehreren Pferden/Gespannen platzieren konnten, sollen mit dem höchstplatzierten Pferd/Gespann teilnehmen. „

Bei Ehrenrunden kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, Pferden die durchgehen oder andere Teilnehmer gefährden. Manche sind so nervös, dass es nicht einmal gelingt, dem Reiter die Hand zu geben oder gar eine Schleife an das Pferd zu hängen. Zwar gibt es die Möglichkeit, sogenannte Dispens zu erhalten, damit man nicht an der Siegerrunde teilnehmen muss. Der Weg dahin ist jedoch recht umständlich. So muss der Veranstalter/Richter/Turnierleitung dies genehmigen und es muss ein triftiger Grund vorliegen. So ein Grund kann eine Verletzung sein, oder ein abgerissenes Hufeisen.

Ein triftiger Grund ist es jedoch nicht, wenn ein Pferd sich bei der Ehrenrunde nicht händeln lässt. Das ist ein Fehler in der Ausbildung, ein Gruppengalopp mit Musik und Publikum wird als Ausbildungsziel gesehen. Wenn ein Pferd das nicht verträgt, gehört es nicht auf ein Turnier.

Ich persönlich finde, hier muss dringend eine Überarbeitung stattfinden. Erstens muss unterschieden werden, in welchen Klassen die Siegerehrung stattfindet. In der niedrigeren Klassen, sollte auf eine Teilnahmepflicht verzichtet werden. Junge Reiter oder Anfänger können einfach reiterlich so ein Pferd noch nicht händeln. Und nur weil der Reiter gerade die E-Dressur mit einem guten Sitz gewonnen hat, heißt das noch lange nicht, dass er auch ein bockendes/rennendes/schlagendes Pferd unter Kontrolle hat.

Auch bei Jungpferdeprüfungen sollte nachgebessert werden. Alternativ könnte man versuchen, etwas mehr Ruhe in das Ganze zu bringen, vielleicht die Musik leiser zu machen, oder die Zuschauer bitten, nicht zu klatschen. Teilweise wird dies bereits umgesetzt, aber eben nicht immer.

Ein Pferd ist ein Fluchttier und nicht immer zu kontrollieren. Jedoch sollte die Gefahr nicht mit einem solch harten Paragraphen heraufbeschworen werden. Zumindest sollten die Richter frei über eine Dispens entscheiden dürfen.

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